Vor knapp 20 Jahren, als ich ein Teenie war, stieß ich zufällig auf Don Johansons Buch über die Entdeckung Lucys. Seither habe ich ein Faible für Paläoanthropologie, und Bücher zum Thema sind immer wieder durch meine Hände gegangen.
Elend teuer!, war meine erste Reaktion, als ich nach der Lektüre eines faden Paläoanthropologiebuchs eines anderen Autors auf dieses neue Werk von Don Johanson stieß. Trotzdem bestellte ich es, und die Investition hat sich gelohnt.
Ich glaube nicht, dass es ein umfassenderes und präziseres populärwissenschaftliches Buch zu diesem Thema gibt, und ganz sicher keines, das besser illustriert wäre.
Das riesige Format des Buchs hat mich zunächst überrascht - bis ich die ersten der kunstvollen Fotos sah und feststellte, dass dieses Format eine Darstellung in Originalgröße ermöglicht, die wiederum natürlich eine viel eingehendere Betrachtung und mehr Verständnis als die winzigen Bilder in anderen Büchern zulässt.
Das Buch besteht im Grunde aus zwei Teilen, einem allgemeinen Abriss der Hominiden-Evolution einschließlich der Geschichte der Paläoanthropologie und der angewendeten Ausgrabungs-, Präparierungs- und Datierungsverfahren, und der chronologisch gegliederten Vorstellung der einzelnen Hominidenarten anhand für sie typischer Fossilien, insbesondere Schädel, und Werkzeuge, soweit bereits vorhanden.
Ich mag an Johanson, dass er dem Leser zwar seine Interpretation der Fossilien darlegt und begründet, jedoch auch von anderen Forschern vertretene Meinungen vorträgt und diese sachlich betrachtet und kritisiert, ohne zu diskriminieren, was in einer doch weniger konkreten Wissenschaft wie der Paläontologie nicht unbedingt selbstverständlich ist. Vom Stil her ist das Buch ausgezeichnet und trotz aller Sachlichkeit keineswegs langweilig geschrieben und auch hervorragend übersetzt.
Viele Details gerade aus der Frühzeit der Paläoanthropologie waren mir völlig neu. Und doch hatten gerade die Irrtümer mancher renommierter Forscher weitreichende Folgen, man denke nur an das lange geschürte Vorurteil, der Neandertaler sei ein primitiver, gebückt gehender, "thumber" Geselle gewesen.
Die Qualität der Fotos habe ich bereits erwähnt. Das Buch enthält eine Fülle hochinteressanter, gut ausgewählter Abbildungen. Der Leser findet Bilder fast aller "wichtiger" Hominidenfossilien, das heißt, Farbfotos jener Skelette und Schädel, die für das Verständnis der Hominiden-Evolution und die Definition der einzelnen Arten von richtungsweisender Bedeutung waren.
Jeder einzelne Euro dieser Investition hat sich gelohnt!