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Das Buch beginnt mit einer wirklich großartigen Ouvertüre: Bilder von Menschenfossilien, äußerst knapp kommentiert, die die Zeit, die sie auf ihre Entdeckung gewartet haben, buchstäblich spüren lassen: Millionen Jahre blicken hier auf den Leser herab. Diese brillianten Bilder des Photographen David Brill, die auch die folgenden Kapitel exzellent illustrieren, sind zweifellos eines der Highlights dieses Buchs. Aber der Text ist auch nicht ohne. Johanson und Edgar bieten eine durchaus enzyklopädische Einführung in das, was man heute über die Herkunft des Menschen weiß. Da müssen sie einiges zusammentragen: Denn zur Archäologie gehören inzwischen nicht mehr nur Schaufel und Pinselchen, sondern auch ausgeklügelte Verfahren aus den Physik-Laboratorien. Und was man mit detektivischem Spürsinn und diesen High-tech-Methoden wie der Elektronenspinresonanzdatierung alles aus Asche, Abdrücken und Gebeinen herauslesen kann, ist erstaunlich: Oft reichen ein paar Zähne, um ein langgesuchtes Bindeglied in unserer langen Ahnenreihe zu identifizieren.
Seit wann gibt es den aufrechten Gang? Wie lange bauen wir Behausungen? Welcher unserer Vorfahren fertigte zuerst Kleidung und gab es damals schon Mode? (Ja!) Konnten Neandertaler sprechen? (Auch ja!) Diesen Fragen gehen Johanson und Edgar auf den Grund: fundiert, nachvollziehbar und durchweg spannend. Manchmal wagen sie sich auch auf philosophisches Terrain: Dann tritt die Technik zurück, an ihrer Stelle muß dann wieder Menschenkenntnis herhalten, etwa in den Kapiteln über Bewußtsein und Sprache. Denn: "Gefühle versteinern nicht" -- manche Fragen müssen aus diesem Grund trotz aller Anstrengungen wohl für immer ohne Antwort bleiben. Wann etwa erkannte sich der erste unserer Vorfahren im Spiegebild einer Wasserpfütze? Hier können auch ausgefeilte Untersuchungen von Hirninnenabdrücken nur Vermutungen liefern. Dennoch: Was sich belegen läßt, dokumentieren Johanson und Edgar äußerst gründlich im zweiten Teil des Buches. Hier versammeln sie eine Vielzahl der bedeutendsten Funde samt Hintergrundinfos zu den Entdeckungsgeschichten, die Stoff für etliche Indiana-Jones-Folgen liefern würden.
"Und wie geht das alles weiter?" mag man sich fragen, wenn man die letzte Seite dieses Bildbands umblättert. Unsere Geschichte ist nämlich noch verdammt jung: Um uns genauso lange auf der Erde zu halten, wie die Art, der Lucy angehörte, müssen wir noch satte 9.000 Jahrhunderte durchhalten. Es sind Fakten wie diese, dazu Gesichter, die zu den Millionen Jahre alten Schädeln gehört haben mögen, Photos von Fußspuren unserer Vorfahren und Bilder von ergreifend schönen Kunstwerken, die die ersten Künstler vor knapp 30000 Jahren an Felswände gemalt haben, die einen beim Lesen dieses Buchs erschauern lassen. --Stefan Albus
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Präzise und Brillant,
Rezension bezieht sich auf: Lucy und ihre Kinder (Taschenbuch)
Das Buch ist sowohl von der Präzision der Sprache als auch vonder Brillanz der Fotos beeindruckend.Auch feine Unterschiede in der Entwicklung bei den Australopithecinen und den verschie- denen Homoarten werden deutlich.Die begleitende Kommentierung erfolgt mit sehr viel Sachverstand. Die wesentlichen Evolutionsschritte ,wie Zweibeinigkeit,Gehirn- vergrößerung,Sprache und Kultur,werden übersichtlich dargestellt. Bei der Frage der Zweibeinigkeit erläutert Johanson insbeson- dere die Version des Paläoanthropologen Owen Lovejoy intensiv. Danach ist auf Grund einer neuen Fortpflanzunsstrategie die Bi- pedie ein wesentliches Element.Man hat den Eindruck,dass Johanson sich dieser Meinung anschließt.Vor allem deshalb,weil er keine Energieeffizienz in der Zweibeinigkeit gegenüber der Vierbeinig- keit sieht. Da halte ich es mehr mit Richard Leakey in seinem Buch "Die ersten Spuren". Danach wurde auf Grund von Klima-und Landschaftsveränderungen die Zweibeinigkeit begünstigt. Sie hatte den Vorteil gegenüber den vierbeinigen Affen,dass mehr Energie eingespart werden konnte. Eine vermehrte Fortpflanzung ist eher ein Nebenprodukt. Diese unterschiedliche Auffassung hindert mich nicht daran, das Buch als herausragend zu bewerten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einzigartiges Werk über die Paläoanthropologie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Lucy und ihre Kinder (Gebundene Ausgabe)
Vor knapp 20 Jahren, als ich ein Teenie war, stieß ich zufällig auf Don Johansons Buch über die Entdeckung Lucys. Seither habe ich ein Faible für Paläoanthropologie, und Bücher zum Thema sind immer wieder durch meine Hände gegangen.Elend teuer!, war meine erste Reaktion, als ich nach der Lektüre eines faden Paläoanthropologiebuchs eines anderen Autors auf dieses neue Werk von Don Johanson stieß. Trotzdem bestellte ich es, und die Investition hat sich gelohnt. Ich glaube nicht, dass es ein umfassenderes und präziseres populärwissenschaftliches Buch zu diesem Thema gibt, und ganz sicher keines, das besser illustriert wäre. Das riesige Format des Buchs hat mich zunächst überrascht - bis ich die ersten der kunstvollen Fotos sah und feststellte, dass dieses Format eine Darstellung in Originalgröße ermöglicht, die wiederum natürlich eine viel eingehendere Betrachtung und mehr Verständnis als die winzigen Bilder in anderen Büchern zulässt. Das Buch besteht im Grunde aus zwei Teilen, einem allgemeinen Abriss der Hominiden-Evolution einschließlich der Geschichte der Paläoanthropologie und der angewendeten Ausgrabungs-, Präparierungs- und Datierungsverfahren, und der chronologisch gegliederten Vorstellung der einzelnen Hominidenarten anhand für sie typischer Fossilien, insbesondere Schädel, und Werkzeuge, soweit bereits vorhanden. Ich mag an Johanson, dass er dem Leser zwar seine Interpretation der Fossilien darlegt und begründet, jedoch auch von anderen Forschern vertretene Meinungen vorträgt und diese sachlich betrachtet und kritisiert, ohne zu diskriminieren, was in einer doch weniger konkreten Wissenschaft wie der Paläontologie nicht unbedingt selbstverständlich ist. Vom Stil her ist das Buch ausgezeichnet und trotz aller Sachlichkeit keineswegs langweilig geschrieben und auch hervorragend übersetzt. Viele Details gerade aus der Frühzeit der Paläoanthropologie waren mir völlig neu. Und doch hatten gerade die Irrtümer mancher renommierter Forscher weitreichende Folgen, man denke nur an das lange geschürte Vorurteil, der Neandertaler sei ein primitiver, gebückt gehender, "thumber" Geselle gewesen. Die Qualität der Fotos habe ich bereits erwähnt. Das Buch enthält eine Fülle hochinteressanter, gut ausgewählter Abbildungen. Der Leser findet Bilder fast aller "wichtiger" Hominidenfossilien, das heißt, Farbfotos jener Skelette und Schädel, die für das Verständnis der Hominiden-Evolution und die Definition der einzelnen Arten von richtungsweisender Bedeutung waren. Jeder einzelne Euro dieser Investition hat sich gelohnt! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wissenschaft IST spannend,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Lucy und ihre Kinder (Taschenbuch)
Das nun auch auf Deutsch vorliegende Buch zeigt in hervorragend lesbarer Form die Entwicklung bis zum Jetztmenschen, doch damit nicht genug. Es befasst sich auch auf wissenschaftstheoretischen Ebene mit den jeweils neuen Errungenschaften der einzelnen Phasen, z.B. Geräte, Feuer, Sprache, ohne langschweifig zu werden. Der Text wird von exzellenten Bildern ergänzt. Wer mehr von der Paläoanthropologie kennen lernen möchte als keulenschwingende Neanderthaler ist mit diesem Buch bestens beraten. Es bietet zudem ein auaaergewöhnlich gutes Preis-Leistungs-Verhältniss.
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