"Lucy im Licht" ist das Folgebuch zu "Lucy mit c". Ich habe beide kurz hintereinander gelesen: Es lohnen sich beide, zumal man das zweite viel leichter liest, wenn man das erste schon intus hat. Wer aber Geld sparen will, dem rate ich, das zweite zu kaufen: Es ist ausführlicher, und die wichtigsten Argumente des ersten sind enthalten. Zudem ist es ansprechender gestaltet.
Das Buch wendet sich in erster Linie an "Sinnsucher", an Menschen, denen Fragen wie "woher komme ich, wohin gehe ich, gibt es etwas nach dem Tod"
wichtig sind. Es ist wirklich "dem Jenseits auf der Spur"(Untertitel).
Der Autor Markolf H. Niemz, immerhin Prof. Dr., stellt eine Grundthese auf: Wenn der Mensch stirbt, wird seine Seele auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, damit sie ins Jenseits übergehen kann und erfreut sich fortan einer ewigen und omnipräsenten Existenz.
Und dieses Jammertal aus Raum und Zeit (sprich irdisches Leben) müssen wir Erdenwürmer nur deswegen durchschreiten, "um überhaupt erst in der Lage zu sein, die Bedeutung von Liebe zu erfahren und Wissen zu erwerben".
(Der geneigte Kritiker mag fragen: Wieso denn bloß?)
Nur dies, sagt der Autor - nämlich Liebe und Wissen - können wir auch mitnehmen ins Jenseits.
Nun ja, ich dachte mir schon, daß die Ackermänner und Co. ihren Fuhrpark und ihre Häuser irgendwie nicht durch die Urne kriegen. Weil ja auch, wie Niemtz als Physiker weiß, nichts Materielles auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden kann.
Steuert diese leichte Ironie jetzt doch auf eine schlechte Bewertung zu?
Zumal ja erschwerend dazukommt: Natürlich kann Herr Niemtz nicht beweisen(genausowenig wie du und ich oder der Papst), daß es eine unsterbliche Seele überhaupt gibt (was ja die erste Voraussetzung ist für seine These).
Zweitens hat er dankenswerterweise einen Anhang angehängt: Da läßt er zu - ganz selber Wissenschaftler - daß zwei andere Wissenschaftler beweisen, daß seine Thesen eher Unfug sind: Vor allem, daß das mit der Beschleunigung der Seele (wenn es sie gibt) auf Lichtgeschwindigkeit gar nicht möglich ist. Physikalisch, versteht sich.
Ja, aber auf die Physik baut der Autor ja ausdrücklich auf....
Weil sonst könnten wir nämlich auch gleich bei der Religion bleiben: Wenn es eine unsterbliche Seele gibt, dann dürfte eh alles Paletti sein und wir können die Physik nach unserem Ableben vergessen.
Schon wieder etwas Ironie. Ich muß jetzt was schreiben, was meine vier Sterne halbwegs rechtfertigt:
"Lucy im Licht" ist ein ausgezeichnet lesbares, spannendes Buch, das wunderbar versucht, einen Brückenschlag zu finden zwischen Wissenschaft und Religion und das vor allem es toll schafft, das Phänomen der Nahtoderfahrungen schlüssig und nahtlos mit einzubeziehen. Außerdem hat es mir wie kein anderes Buch manch wissenschaftlich Schwieriges so allgemeinverständlich erklären können (wie Teile von Einsteins Theorien oder der Quantenphysik).
Deswegen vier Sterne (manche Teile verdienen mindestens fünf)! Für thematisch Interessierte (auch Laien) ein Muß!
(Und außerdem weiß ja auch keiner, ob der Herr Niemz nicht vielleicht vollkommen recht hat...).