Die Papsttochter Lucrezia Borgia umranken viele Gerüchte, Schmähungen, Beleidigungen und pikante Gerüchte. Das macht den Reiz dieser Figur aus der Renaissance aus. Die Autorin Maike Vogt-Lüerssen schreibt im Klappentext, sie "erzähle" das Leben von Lucrezia Borgia nach. Das tut sie nicht! Sie erzählt nicht. Sie listet auf. Lebensdaten und Lebensstationen. Sie skizziert maximal die nähere Umgebung Lucrezias. Ein trockenes Unterfangen. Fakten werden an Fakten gesetzt, Daten an Daten. Sobald es aber um Gefühle, wie Wut, Ärger und Liebe geht - zieht sich die Autorin zurück und verschanzt sich hinter ihren Quellen. Der Autor einer Biographie muss aber meiner Meinung nach auch mal Stellung beziehen!
In ihrem Vorwort stellt sie klar, dass sie aber nur bestimmten Quellen Glauben schenkt und auch nur diese berücksichtigt. Sie stellt auch klar, dass sie die Borgia kritischen Quellen nicht beachtet - diese wurden ja von den Borgia Feinden geschrieben und sind daher weniger glaubwürdig als die Borgia freundlichen Briefeschreiber und Chronisten. Somit erhält der Leser die Sichtweise nur die Sichtweise Autorin auf Lucrezia Borgia. Das erscheint zumindest mir ein wenig willkürlich und unverständlich zumal Frau Maike Vogt Lüerssen Historikerin ist.
Ich erwartete mir daher mehr vom Buch. Ich hätte gerne auch die pikanten Quellen erzählt und erklärt bekommen, ebenso die Argumente die für und die wider ihrer Glaubwürdigkeit sprechen. Das aber passiert nur ansatzweise. Dann hätte sich mir ein eigenes Bild erschlossen. So aber bleibt nur eine geglättete trockene Darstellung, die der machiavellistischen Erziehung Lucrezias widerspricht- und vieles bleibt offen. Wie reagierte Lucrezia auf die Ermordung ihres Mannes Alfonso, wie ging sie mit Verehrern um? Wie reagierte eine Frau in der Renaissance auf Verehrer generell?
Ein dürftiger Satz an sich findet darin: In der Renaissance war die Einstellung der Menschen bezüglich der Sexualität [...] weit aus offener [...]. Diese Leerstelle, über eventuell differierende Moralvorstellungen, sexualmoralische Anschauungen innerhalb der italienischen und europäischen Herrscherfamilien bleibt offen. Das ist schade, da Lucrezia Borgia zu einer Ikone dieser Fragen gemacht worden ist.
Wer in dem Buch Daten und Fakten für Referate und Hausarbeiten sucht, ist richtig. Jemand der sich aber in eine historische Person hineindenken will, der nach einer Geschichte oder einer Erzählung über Lucrezia Borgia sucht - deutlich falsch.