Das nicht mehr Morris, sondern Achdé dieses Lucky Luke Abenteuer gezeichnet hat, wäre mir nicht aufgefallen, wenn es nicht auf dem Cover und im kurzen Vorwort dieses 88. Bandes der Reihe erwähnt worden wäre. Farbenfroh, ansprechend und lustig wie eh und je sehen die Bilder aus! Die Arbeiten der Texter Pennac und Benacquista erreichen in "Lucky Luke gegen Pinkerton" nicht das Niveau eines Titanen wie Goscinny, bewahren die Serie aber eindeutig davor so abzufallen wie Asterix unter Uderzos Alleinregie.
Verbrechensbekämpfer wie Lucky Luke, aber auch Kleinkriminelle wie die Daltons, haben ausgedient. Die wirklich grossen Verbrecher sind Politiker und Unternehmer, organisierte Verbrecher. So sieht es zumindest Lukes neuer Gegenspieler Allan Pinkerton, der sich für Präsidentschaftskandidat Lincoln zum Super-Detektiv aufschwingt. Am Ende des Bandes ist ein Foto von Pinkerton, Lincoln und dessen Adjudanten abgedruckt.
Terrorhysterie, Facebook, Guttenberg - es braucht nicht viel Abstraktionsvermögen, um all das in diesem Comic wiederzufinden. Für erwachsene Leser also ein intelligenter Kommentar der Tagespolitik. Für Kinder und Leser, die es gerne etwas spannender und lustiger hätten, ist dieses Album wohl noch verbesserungswürdig.
Ein verliebter Rantanplan, ein verspotteter Luke und die gewohnt tumben Daltons - das reichte zumindest bei mir nur für Schmunzeln, nicht aber für Lachattacken. Was dennoch überwiegt ist die Freude darüber, dass ein wichtiges Stück europäische Comic-Kultur noch immer lebendig ist. Ein solider Lucky Luke Band!
3,5 Sterne
48 Seiten, Farbe, als Hard- und Softcover erschienen, Zeichnungen: Achdé, Autoren: Pennac und Benacquista, Übersetzung: Klaus Jöken, Ehapa 2011