Es fällt immer schwer, ein neues Lucky-Luke-Heft zu bewerten, denn man muss zwangsweise den Vergleich zu den bereits erschienenen Heften ziehen. Und da sind grandiose Klassiker wie "Die Postkutsche" und "Familienkrieg in Painful Gulch" ebenso vorhanden wie schwache Abklatsche a la "Fingers" oder "Marcel Dalton". Auf den neuen Lucky Luke war ich deshalb gespannt, weil zum ersten Mal nach dem überraschenden Tod des bisherigen Lucky Luke-Zeichners ein komplett neues Zeichner/Autoren-Duo eines der Alben gefertigt hat: Achdé/Gerra
Zwei Dinge haben mich sofort positiv angesprochen: Zum einen, dass endlich auch bei der Kiosk-Ausgabe das von vielen Comic-Freunden favorisierte Handlettering in den Textblasen Einzug gehalten hat und zum zweiten die liebevollen Zeichnungen, die sich sehr stark an Morris Stil orientieren, aber gleichzeitig etwas detailfreudiger sind. Wo diese Detailfreudigkeit allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig wirkt, ist bei den schon fast überzeichneten Gesichtern. Morris konnte den Figuren mit viel weniger Strichen Charakter einhauchen. Auch die Geschichte ist sehr schön geschrieben und kann sich an Witz und Ideenreichtum mit den besten Heften der Nach-Goscinny-Ära messen. Selbst Rantanplan, der in den letzten Jahren meist nur nervender aber nahezu witzloser Nebencharakter war, erhält vom neuen Team mal wieder ein paar drollig komische Szenen, die an die besten Zeiten erinnern. Ebenso positiv fällt auf, wie behutsam Autor/Zeichner mit ihrem Erbe umgehen. Das betrifft sowohl die Figuren als auch das Einflechten echter Wild-West-Mythen und von Parodien auf lebende Personen (hier Celine Dion und ein französischer Quizmaster, den man schon aus Asterix: Die Tranbantenstadt kennt) in die Story. Respekt. Nur bei Lucky himself ist man eine Weile verunsichert, ob er wirklich noch der Mann ist, der schneller schiesst als sein Schatten, aber zum Ende der Story wird man auch hier zufrieden gestellt.
Fazit: Hier wurde zwar kein Kultcomic geschaffen und natürlich hält es keinem Vergleich zu den genialsten Goscinny-Alben stand, aber: Dem neuen Team ist ein sehr schöner Einstieg gelungen, der Lust auf mehr macht und alte Fans ebensowenig enttäuschen sollte wie Neuleser. Im Gegensatz zu Asterix scheint Lucky Luke aus der Talsohle heraus zu sein.