Sie können's nicht lassen, die dämlichsten Desperados des Wilden Westens: Sie brechen wieder mal aus, die Gebrüder Dalton...
Man schickt ihnen Lucky Luke hinterher, um sie wieder einzufangen; damit hat er ja inzwischen Erfahrung. Selbstverständlich sammelt er die Daltons nach diversen schrägen Intermezzi wieder ein -- unter verschärften Bedingungen freilich: Er hat Rantanplan am Hals, pardon, zur Hilfe und Unterstützung mit dabei. Dieser arme Hund leidet an einer krassen Fehleinschätzung seiner Fähigkeiten und hält sich für einen pfiffigen Wach- und Spürhund -- ein tragisches Missverständnis, das Lucky Luke und seinen gewitzten Gaul Jolly Jumper schier zur Verzweiflung treibt, den Leser aber auf jeder Seite von neuem zu neuen Lachsalven animiert.
"Den Daltons auf der Spur" ist ein richtiges Highlight der "Lucky Luke"-Serie, und das liegt nicht nur an Rantanplans gelungenem Debüt: Die Handlung ist stimmig und haargenau auf die Verschrobenheiten der Protagonisten zugeschnitten (Goscinny in Hochform!), die Pointen treffen immer ins Schwarze, und die Running Gags sind vom feinsten: Da wären z.B. die verfressenen Antagonisten Averell Dalton und Rantanplan, die simultan als "Gierschlund" bzw. "Nachkatze" tituliert werden, denen derselbe Intelligenzquotient zugestanden wird, und die alle beide mit immer neuen Exzessen aufwarten, etwa wenn Averell, der selbst Mottenkugeln ("Kennscht du diesche Naphtalinbonbons? Schind gut!") ein besonderes Aroma attestiert und generell seine Prioritäten *etwas* anders setzt als seine Brüder. Natürlich gewinnen die beiden Vielfraße einander zwischenzeitlich lieb, was wieder neue Gags der verschärften Sorte nach sich zieht und für Dialoge wie diesen sorgt: "Er liebt mich! Der Hund liebt mich. Zum allerersten Mal liebt mich jemand!" -- "Mach doch dem armen Tier nicht seinen Mangel an Geschmack und Intelligenz zum Vorwurf!"
Aber nicht nur Rantanplans erster Auftritt ist bereits perfekt; auch in Sachen Jolly Jumper gibt's eine wunderbare Premiere: Er spart nicht mit sarkastischen Kommentaren zum Treiben seines tolpatschigen "Kollegen".
Doch bekommen auch die anderen Figuren ihre Glanzauftritte: Ausgerechnet Joe Dalton findet sich plötzlich in der ungewohnten Situation wieder, eine Brandrede zugunsten seines Erzfeindes Lucky Luke zu halten (selbstverständlich mit dem anschließenden unvermeidlichen Nervenzusammenbruch), Lucky Luke wiederum darf seine Finanzen durch seine Schießkünste ruinieren, und die rauhbeinigen Wildwest-Pioniere menscheln ebenfalls gewaltig...
Um's kurz zu machen: "Den Daltons auf der Spur" gehört auch in die kleinste "Lucky Luke"-Sammlung!