Der Roman "Lucky Jim" von Kingsley Amis, der erstmals 1954 erschienen ist, ist hauptsächlich ein zum Brüllen komisches Buch über Eitelkeiten und die quasi feudalen Abhängigkeiten in der akademischen Welt. Andererseits wird auf jeder Seite eine Bitterkeit deutlich, die typisch für die literarische Bewegung der "angry young men" ist, die im England der fünfziger Jahre entstanden ist.
Der Protagonist Jim Dixon ist ein junger Nachwuchsakademiker im Fach Geschichte an einer kleinen englischen Universität. Sein Vorgesetzter Professor Welch ist an Faulheit, Inkompetenz und Trotteligkeit kaum zu überbieten. Dixon muss stets darauf bedacht sein, nicht bei Welch in Ungnade zu fallen. Und das ist gar nicht so einfach. Denn wer es in der akademischen Welt des Professors Welch zu etwas bringen will muss als Chorknabe brillieren, beim Tanz gefallen, sinnfreien small talk betreiben und in der Lage sein, den Charme von Christine, der Fast-Freundin von Welches dummen und arroganten Sohn Bertrand, zu widerstehen.
Im Verlauf des Romans schafft es Dixon sich bei allen Menschen, von denen er mehr oder weniger beruflich abhängig ist, unbeliebt zu machen. Er bändelt mit Christine an, dilettiert als Sänger, prügelt sich mit Bertrand und fackelt die Bettwäsche von Mrs Welch ab. Dixons Widerwille gegen die ihn umgebende ständige Heuchelei wächst und wächst.
Der Leser weiß nicht wie Dixon an diesen Job, den er so verachtet, gekommen ist. Und Dixon selbst scheint da auch nicht viel klüger. Und so scheint alles zu kommen, wie es kommen muss. Doch schließlich kann lucky Jim seinen Namen doch noch alle Ehre machen.
Fazit: Großartiger Roman mit ernstem Hintergrund. Portrait einer ziellosen englischen Nachkriegsgeneration.