Aus der Amazon.de-Redaktion
Manchmal kann ein erstaunlicher, völlig überraschender Erfolg eines Films für einen Regisseur zu einer größeren Hürde werden als ein Flop. Denn plötzlich steht er unter einem enormen Erfolgszwang. Der dadurch entstehende Druck ist in
Lucky Break, Peter Cattaneos Komödie über einen außergewöhnlichen Gefängnisausbruch, nahezu in jeder Szene zu spüren. Mit
Ganz oder gar nicht hatte Cattaneo einen der Hits des britischen Kinos der 90er-Jahre gelandet. Die so amüsante wie anrührende Geschichte einiger arbeitslos gewordener Stahlarbeiter, die ihrer Misere durch eine aufwändige Männer-Striptease-Show entkommen wollen, bestach dabei vor allem durch ihre perfekte Balance zwischen sozialem Engagement und zeitlosen Gags, die keiner ihrer vielen Nachzügler wieder erreicht hat.
Peter Cattaneo muss geahnt haben, dass ein solcher Coup, wie er ihm mit Ganz oder gar nicht gelungen ist, kaum zu wiederholen ist. Denn Lucky Break greift zwar die Grundidee des Überraschungserfolgs auf -- wieder sind es einige in künstlerischen Dingen völlig unerfahrene Männer, die eine Bühnenshow auf die Beine stellen und dabei noch etwas ganz anderes im Sinn haben, doch sonst verbindet ihn kaum etwas mit seinem Vorgänger. Cattaneo setzt hier ganz auf das Komödiantische. Mit der sozialen Realität des Strafvollzugs hat die Geschichte einer Gruppe von Häftlingen, die ein von ihrem Gefängnisdirektor (Christopher Plummer) verfasstes Musical über den englischen Nationalhelden Lord Nelson auf die Bühne bringen wollen, um nach der Vorstellung unbemerkt ausbrechen zu können, kaum noch etwas gemein.
Die Insassen des Long Rudford Gefängnis sind komische Typen, deren Leben hinter Gittern fast losgelöst von ihrer kriminellen Vergangenheit zu sein scheint; und Christopher Plummer spielt den Gefängnisdirektor als einen netten, ziemlich weltfremden älteren Herren, der seiner Leidenschaft für Musicals offenbar mehr Zeit widmet als seinem Job. Der märchenhafte Eindruck des Films wird zudem noch durch die zentrale Liebesgeschichte zwischen dem ziemlich glücklosen Bankräuber Jimmy Hands (James Nesbitt) und der Gefängnispsychologin Annabel Sweep (Olivia Williams) verstärkt. Sie folgt ganz der klassischen Musical-Dramaturgie, die es den Helden erlaubt, schließlich allen Schwierigkeiten tanzend zu entschweben. Die großen Musicalsequenzen und auch die wenig spektakulären Tanzszenen haben hier zwar -- der Handlung entsprechend -- einen ziemlich amateurhaften Zug, doch das verstärkt letztlich noch den Charme von Lucky Break. In seinen schönsten Momenten erinnert Peter Cattaneos Film sogar ein wenig an das Operettentheater von Gilbert und O'Sullivan. --Sascha Westphal
Produktbeschreibungen
Universal Lucky Break, USK/FSK: 6+ VÃ--Datum: 22.08.02