Es gibt wenige Bücher, die mich bisher so gefesselt haben, dass ich sie gerne wieder und wieder lese. Lynn Flewellings "Nightrunner"-Romane haben das geschafft. Als ich mir die drei Bände vor ein paar Jahren geholt habe, wusste ich nicht, dass ich sie innerhalb von drei Tagen regelrecht verschlingen würde, erst die Deutsche, dann auch die Originalversion.
Als Alec von Kerry zu Unrecht im Kerker sitzend auf den mysteriösen und gerissenen Seregil í Rhiminee trifft, ahnt er noch nicht, dass dieser sein bis dato ruhiges und einsames Leben in den Wäldern durcheinanderbringen würde. Der Waise verspricht Seregil nach deren gemeinsamer Flucht ihn innerhalb von drei Tagen nach Wolde zu bringen, wo sich ihre Wege wieder trennen würden. Doch schon lange bevor die Beiden dort ankommen, ist dem Leser bereits klar, dass Seregil und Alec auch weiterhin zusammen bleiben würden.
Seregil, der sich sehr schnell als Dieb, Spion, Gauner, Barde und Adliger herausstellt (und dabei in jeder Rolle eine überzeugende Leistung absolviert), beschließt den jungen Alec unter seine Fittiche zu nehmen.
Die Lektionen, die er dem Jungen erteilt (Schwertkampf, Etikette, Schlösser knacken etc.) sind spannend und auch für den Leser äußerst interessant, zumindest ging es mir dabei so. Natürlich bleibt die Geschichte nicht allein bei Alecs Ausbildung stehen. Bereits in Wolde legen sie sich mit Mächten an, die gefährlicher nicht sein könnten und die Beiden werden ihr ganzes Können und eine gehörige Portion Glück brauchen, um heil aus dieser Situation wieder heraus zu kommen.
Ich möchte an dieser Stelle nicht mehr verraten, nur soviel. Seregil und Alec sind die zwei der sympathischsten Charaktere, die mir bisher untergekommen sind und Lynn Flewelling ist eine Autorin, die es ohne Mühe schafft, dass ich nicht nur eine tiefe Liebe den Protagonisten gegenüber hege, sondern auch all den Nebencharakteren, die in ihren Detaills und Ausarbeitung eigentlich schon nicht mehr als Nebencharas bezeichnet werden dürften.
Ein großes Plus gab es bei mir für die sehrlangsame, sanfte Entwicklung der Beziehung zwischen Seregil und Alec, die sich stetig in die Richtung vom Freund zum Geliebten bewegt, diesen letzten Schritt aber bis zum Ende des zweiten Bandes vorbehält. Das Ganze wirkt niemals aufdringlich und findet in einer Welt statt in der es recht normal zu sein scheint wenigstens bi-sexuell zu sein.
Eigentlich sollte jeder, der Fantasy in irgendeiner Weise mag, einmal in diese genialen Bücher reinschauen. Während "Das Licht in den Schatten" und "Stalking Darkness" viel Unterhaltung und eine wundervoll detaillierte Welt bieten, wartet der dritte Band "Traitor's Moon" mit einer politischen Intrige auf, die sich zwar über hunderte von Seiten hinwegzieht und somit die Story wesentlich langsamer und ruhiger macht als Band 1 und 2, mich aber trotzdem keine Sekunde lang gelangweilt hat. Zudem erfahren wir hier endlich mehr über Seregils Vergangenheit und sein Volk.
Gut zu wissen, dass Lynn Flewelling zwei weiteren Büchern zugesagt hat!