Zitat : Dorothea von Schlegel
Der Stoff dieses Romans von Friedrich Schlegel ( 1768- 1834) ist die Liebe, aber nicht nur in einem philosophisch-allegorischen Sinn. Der Schriftsteller geht erkennbar von seinen eigenen Erfahrungen aus. Man erahnt in Julius unschwer ihn selbst und in der Lucinde Dorothea Veit- Mendelsohn, die er 1797 im Salon der Henriette Herz kennengelernt hatte.
Im Mittelteil des überaus unkonventionell-modern angelegten Werks wird unter dem Titel "Lehrjahre der Männlichkeit" die Geschichte des Julius erzählt. Es handelt sich hierbei um Erfahrungen der Sinnlichkeit, die über die Vernachlässigung der gesellschaftlichen Vorurteile hinaus zu deren Verachtung führen.
Die Liebe wird nicht als Mittel der Selbstgewinnung eingesetzt, selbst wenn Julius sein Glück mit Lucinde findet, die mitten im Schoß der menschlichen Gesellschaft Naturmensch geblieben ist. Die Begegnung des Liebespaares wird als "ein unteilbares und einfaches Gefühl" ausgesagt, welches in der Übersteigerung des Selbst kumuliert. Die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Rollenzuweisungen, die Erfahrung unlimitierter Lust gehören dazu.
Schlegel lässt in seiner Liebesphilosophie, in seiner Beschwörung eines Friedens der Natur wahrnehmbar antigesellschaftliche Tendenzen wirksam werden.
Im Zusammenhang mit diesem Roman empfehle 'Ich möchte mir Flügel wünschen'. Das Leben der Dorothea Schlegel. . Hier erfährt man mehr über die romantisch- sinnliche Intellektuelle, die Schlegel in seinem Roman verewigt hat.