So viel Spaß für wenig Geld !!! Zwar enthält die aktuelle EP der dänischen Doom-Urväter CANDLEMASS nur 3 neue Studio-Tracks, wurde aber zusätzlich noch um insgesamt 9 Live-Songs aufgestockt. "Lucifer rising" hat dadurch eine richtig amtliche Spielzeit von fast 72 Minuten (!), und bietet dem Käufer - wenn man berücksichtigt, dass die Scheibe allerorten für knapp 10 Euro zu haben ist - im wahrsten Sinne "value for money".
Mit dem Titelsong "Lucifer rising" legen CANDLEMASS gleich zu Beginn los wie die Feuerwehr, und hauen dem Hörer einen schnörkellosen, rasanten Hassbatzen um die Ohren, bei dem lediglich der ziemlich eintönige Refrain etwas zu wünschen übrig lässt. Ansonsten ist "Lucifer rising" sicherlich einer der härtesten Tracks des Doom-Fünfers, und versprüht einen herrlich unverbrauchten Charme, der sofort Lust auf mehr macht. Der Track hätte durchaus auch auf "Dehumanizer" von BLACK SABBATH stehen können. Einstieg geglückt !!! Der direkte Anschluss könnte mit der düsteren Gänsehaut-Nummer "White god" gar nicht besser gewählt sein. Eine tieftraurige Doom-Hymne in bester CANDLEMASS-Tradition, die ebenso gut auf dem Band-Klassiker "Nightfall" hätte stehen können, und von der ersten bis zur letzten Sekunde für beklemmende Begräbnisstimmung sorgt. Gleiches gilt für die neu eingespielte Version von "Demons gate", die alle Fans ja bereits vom CANDLEMASS-Debüt "Epicus doomicus metallicus" kennen. Hier kann der neue Shouter Robert Lowe (u.a. SOLITUDE AETERNUS) erneut eindrucksvoll beweisen, dass er es auch mühelos mit den "ollen Kamellen" aufnehmen kann. Und überhaupt...es kann durchaus sein, dass der ehemalige Sänger Messiah Marcolin - vor allem auf der Bühne! - eine ganz besondere Ausstrahlung hatte, die von vielen Fans seit dessen Rauswurf bei CANDLEMASS schmerzlich vermisst wird. In Punkto Stimmvolumen und Ausruckskraft kommt an Rob Lowe jedoch so schnell keiner vorbei, weswegen er momentan einfach der absolut perfekte Mann für die Doom-Könige ist. Ende aus...
Bestätigt wird dies durch die 9 Live-Songs, die im Jahr 2007 in Athen mitgeschnitten wurden, und auf denen der Mikro-Neuling ebenfalls durch eine tadellose Gesangsleistung glänzen kann. Die Setlist umfasst hierbei sowohl Tracks neueren Datums ("Black dwarf" , "Emperor of the void" , "Of stars and smoke" oder "Devil seed") als auch unverzichtbare Classics ("At the gallows end" , "Samarithan" , "Under the oak" oder den Über-Songs "Solitude"). Die Soundqualität ist zwar nicht unbedingt optimal - teilweise klingen die Gitarren doch ziemlich verwaschen - kommt aber daher umso authentischer rüber. Auch das griechische Publikum präsentiert sich als äußerst textsicher , und kann beinahe jede Textzeile Wort für Wort inbrünstig mitsingen. Atmosphärisch top !!!
Fazit: Wie man es von CANDLEMASS gewohnt ist, bietet auch "Lucifer rising" allerbeste Doom-Unterhaltung auf höchstem Niveau. Als Appetizer zum nächsten Longplayer ist dieser 12-Track-Silberling jedenfalls bestens geeignet. Jawoll, mit dieser Band muss auch in den nächsten Jahren gerechnet werden. 5 Punkte !!!