"I, Lucifer" hat eine sehr interesante Prämisse, wenn auch etwas irreführend: Luzifer wird von Gott die Chance gegeben, wieder in den Himmel zurückzukehren, wenn er ein Menschenleben mehr oder weniger sündenfrei lebt. Allerdings geht es in dem Buch nicht darum, sondern nur um den einen Monat "Testfahrt", den Satan im Körper des Schriftstellers Declan Gunn verbringt, um zu sehen, ob er auf den Deal überhaupt eingehen will. Der hat natürlich sowieso keine Lust darauf, mit dem "alten Mann" Geschäfte zu machen, und nutzt den Monat dafür, allerlei körperliche Genüsse auszuleben: Selbstbefriedigung, Drogen, Sex, versuchte Vergewaltigung etc. etc. Ach ja, ausßerdem will er einen Hollywood-Film darüber drehen, wie denn die ganze Schöpfungsgeschichte, die Sache mit Jesus usw. wirklich war.
Der Narrator selbst ist extrem sarkastisch, wir bekommen das Weltbild des Teufels nähergebracht, die Gründe für sein Handeln und den Fall from Grace. Gott wird logischerweise in ziemlich unvorteilhaftem Licht dargestellt. =) Einige Bibelstellen werden aus Sicht des Teufels erzählt, besoders witzig hierbei die Beschreibung von Adam und Eva (Eva, gelangweilt vom simple-minded Adam, die sich aus lauter Langeweile vom sweet-talking devil verführen lässt).
Allerdings hat das Buch einen großen Fehler: die Erzählungen Luzifers sind weitschweifig und zusammenhangslos, und es wurde etwa nach Seite 150 klar, dass auch einfach nichts besonderes mehr passiert. Das Ganze wirkt einfach ziemlich sinnlos. Auch ist Stream-of-consciousness nicht mein bevorzugter Erzählstil.
Wie zu erwarten, wenn der Erzähler der Teufel ist, kommen einige ziemliche Schocker (von denen das Buch wohl lebt), wenn man da etwas sensibel ist: Ein Priester vergeht sich an einem Jungen schon in den ersten Seiten (dies wird nicht detailliert beschrieben, wie fast alles im Buch. Eher wird es vom Teufel mit einem "Die Menschheit ist schlecht, scheint, als ob ich wieder gewinne" abgetan), wir bekommen Erzählungen aus der Zeit der Inquisition u. Hexenverfolgung (die Folterszene einer unschuldigen Frau durch sadistische Priestern hat sogar mir etwas übel zugesetzt), und aus der Zeit des dritten Reichs.
Zusätzlich ziemlich abstoßend waren die immer wiederkehrenden Beschreibungen, wie der menschliche Körper des Schriftstellers furzt, Darmprobleme hat, gerade noch zum Klo kommt. Ist zwar realistisch, aber mir zu detailliert gewesen.
Fand ich das Buch und Luzifer "charming, sexy and funny", so wie es auf dem Titel steht? Witzig, naja, hin und wieder. Sexy? Es wird zwar viel Sex erwähnt, aber in keiner Weise ansprechend. Die Stimme des Teufels ist zwar ganz interessant und auch auf hohem Niveau geschrieben, aber mir zu krass gewesen.
Es ist zwar ganz lustig, zu lesen, wie der Teufel sich zukokst, sich einen Stricher anlacht und ihn dann einfach nicht hochkriegt, aber damit kann man kein Buch füllen.
Ich hätte mir mehr erwartet.