URGENT SUBTLE CONCISE ROBUST
So steht es an einer Wand von Lucian Freuds Atelier. Robert Hughes,
Autor des Buches 'Denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf',
hat das Lästern hier sein gelassen und erklärt in seinem 20-Seiten
Essay die Phasen von Freuds Leben, Werk und seine Arbeitstechnik.
Im Atelier hängt eine 500-Watt-Birne und für Körperfarben benutzt er lieber
Kremserweiß, statt Schieferweiß. Um zu begreifen was er geleistet hat, solle
man erst einmal ein paar Schlagworte der zeitgenössischen Kunstszene vergessen,
die dazu dienen zwischen einer 'postmodernen Denkweise und anderen, angeblich
altmodischeren Einstellungen zu unterscheiden'.
Freud sagt, die Malerei sei ein 'bewährtes Medium der Unzufriedenheit, der Abweichung
von Normen des Sehens und von überlieferten Vorstellungen einschließlich aller
postmodernen Manierismen'. Frühe Manierismen seinerseits schrieb er einem Mangel an
Flexibilität zu.
Er sei kein expressionistischer Kolorist und zitierte gern eine Ingres zugeschriebene
Antwort auf die Frage eines Schülers, was seiner Meinung das Schönste in der Kunst sei:
'Eine Farbe, die an eine andere , ihr ganz Ähnliche, angrenzt'.
Aufgabe des Künstlers ist es, so Freud, bei den Menschen Unbehagen zu erzeugen,
'und doch zieht es uns ohne unser Zutun zu einem großen Werk hin, wie einem Hund,
dem eine Witterung in die Nase steigt. Der Hund ist nicht frei, er kann nicht anders,
er nimmt die Witterung auf, der Rest ist Instinkt'. Hundert Bilder sind in diesem Band
versammelt.
Im Herbst erscheint ein Buch, 'Mann mit blauem Schal', darin wird erzählt, dass Freud
den ersten Mann der Herzogin von Cornwall, Camilla Parker-Bowles, Andrew Parker-Bowles
porträtierte. Zwei Jahre lang, fast jeden Tag, und nach anderthalb
Jahren sich erkundigte, ob schon ein halbes Jahr vergangen sei
Aber soviel Zeit musste man bei Großvater Sigmund auch schon investieren, wenn man ein Porträt
der eigenen Seele haben wollte.