Aus der Amazon.ch-Redaktion
Ich spiele, also bin ich. Das Motto für die Arbeit von Regisseur Luc Bondy ist ganz aus der Erfahrung des Sehens gewonnen. C. Bernd Sucher, der für die
Süddeutsche Zeitung die Arbeiten des deutschsprachigen Sprechtheaters analysiert, hat dem 1948 in Zürich geborenen Regisseur ein opulentes Bilderbuch gestiftet, das Annäherungen an einen Theatermacher ganz eigener Währung ermöglicht. Das Buch beginnt sinnvollerweise mit einem Interview, in dem Bondy ausführlich Auskunft über seine Herkunft erteilt. Da erfährt man etwa, dass er schon im Alter von sechs oder sieben Jahren im Keller der Seminarstraße 106 Theatervorstellungen gegeben hat. Dabei habe er "wahrscheinlich" Eintritt verlangt, lässt sich Bondy vernehmen. Danach taucht man in Suchers Essay ein und lernt die Arbeit des Regisseurs von des Kritikers Warte aus kennen, wobei die Lektüre durch eine satte Auswahl von Theaterbildern unterbrochen wird, wohlgefällig.
Insofern die Arbeit des Regisseurs mittlerweile auch bei Operninszenierungen immer wichtiger wird und meist im Zentrum der Rezeption steht -- die Stoffe bleiben die Stoffe des Menschlichen, allzu Menschlichen --, macht es durchaus Sinn, das bisweilen komplexe Denken von Theatermachern näher zu erläutern. Sei es beispielsweise darum, weil man sich auf Inszenierungen besser vorbereiten kann, also dem Theaterabend noch eine weitere Dimension des Genießens hinzufügen kann. So etwa, wenn man weiß, welche Bedeutung der Raum in einer Inszenierung Bondys einnimmt.
Suchers Essay ist etwas vom Kenntnisreichsten, das man über einen Theatermann zu lesen bekommt, weil er fast jede Inszenierung Bondys ausleuchtet und beschreibt, als säße man selbst gerade mitten im Zuschauerraum. Von Botho Strauß kommen noch Zeilen der freundschaftlichen Zuneigung hinzu, auch von Clemens Prokop, der die Operninszenierungen analysiert, während Stefan Fischer sich den Filmen Bondys annähert. Zuletzt kommt der Regisseur mit eigenen Texten zu Wort -- ausführlich. Darin erfährt man alles über sein Denken, sein Fühlen, auch über seine Zweifel und darüber, dass man Luc Bondy eine Frage nie stellen darf, weil sie so unerträglich sei: "Warum ich Theater mache?" --Carlo Bernasconi
Autorenportrait
C. Bernd Sucher ist seit seinen Kindertagen Gastgeber aus Leidenschaft, außerdem Theaterkritiker bei der "Süddeutschen Zeitung", und lehrt an der Bayerischen Theaterakademie in München.