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104 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abgefahren, 24. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Lucía und der Sex [2 DVDs] (DVD)
Da sitze ich letzten Mittwoch so um 22.30 vor dem Fernseher und zappe in einer Werbepause ein wenig durch die Sender. Ich bleibe bei 3Sat hängen und kann mich von einem Film nicht mehr trennen, den ich weder sehen wollte, noch von den ich je gehört habe. Aber der Finger blieb fortan von der Fernbedienung entfernt und um ca. 0.30 nachts (so lange wollte ich eigentlich nicht aufbleiben) merke ich langsam, dass ich da auf eine wirkliche Perle gestoßen bin. Am nächsten Tag google ich gleich mal alle möglichen Informationen über den Regisseur und die beiden Hauptdarsteller, da mich der Film wirklich sehr beschäftigt hat und ich vom Regisseur oder den Hauptdarstellern auf jeden Fall weitere Filme sehen will. Die Eckpunkte der Handlung wurde bereits mehrfach beschrieben, so dass ich mir dies an dieser Stelle spare. Der Titel Lucia und der Sex klingt wenig viel versprechend für einen anspruchsvollen Film. Also Sex gibt es reichlich und auch wenig versteckt, gekürzt oder geschnitten, sondern offen und frei. Wer hier darauf spekuliert nur seine erotischen Wünsche erfüllt zu sehen wird trotzdem enttäuscht werden, da einfach noch viel zu viel komplexe Handlung dazwischen liegt. Und Komplex ist die Handlung nun wirklich, so dass sich, wie auch offensichtlich gewollt, die Handlung erst am Schluss vollständig erschließt. Es ist keine einfache Liebesgeschichte zwischen Lorenzo dem Schriftsteller und Lucia der Kellnerin. Es ist ein ständiger Wandel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Jetzt und Rückblende in wilden Schnitten, so dass man mehrfach zweifelt in welcher Zeit sich gerade die Handlung befindet. Es kommt einen eher wie der Wechsel zwischen Traum, Fiktion und Realität vor. Jedoch werden die Träume und Fiktionen im laufe des Films immer realer. Da tauchen auf der Insel zwei fremde Personen auf, die durch ihre direkte oder indirekte Beziehung zu Lorenzo auch ein wichtiger Bestandteil des bisherigen Lebens von Lucia gewesen sind. Natürlich haben diese Personen ein etwas geändertes Aussehen und einen anderen Lebenshintergrund, so dass man selbst nicht sofort den Bezug zum Leben von Lorenzo erkennt. Erst im Dialog mit Lucia kommen immer mehr Informationen an den Tag die mit Lorenzo und damit auch mit dem Leben von Lucia zusammenhängen. Dann kann man sie wie eine Schablone auf die Personen aus der Vergangenheit Lorenzos legen. Die Fremden sind nicht mehr fremd. Sie stehen im indirekten Zusammenhang mit Lucias Leben. Was vorher zufällig erschien ist beabsichtigter Teil der Handlung. Der Kreis schließt sich. Ich atme auf, die Handlung ist jetzt klar. Als Bonbon kommt noch ein versöhnliches Ende. Aber dass hätte ich mir bei diesem Film sowieso an dieser Stelle auch sehr gewünscht. Dass die Szenen auf der Insel Formentera auch mit bewegenden Bildern der wunderschönen Landschaft glänzen, muss in diesem Film eben nicht über eine dürftige Handlung hinweghelfen. Allerdings bereichern sie den Gesamteindruck und tragen auch dazu bei ein melancholisches Stimmungsbild einzufangen. Ich ziehe meine Hut vor Julio Mendem dem Regisseur. Dass der Film, die Schauspieler (Paz Vega), die Filmmusik dafür die Goyas (spanischer Filmpreis) kassiert haben ist folgerichtig. Schade dass so eine Perle im deutschen TV auf den hinteren Sendeplätzen eines Spartensenders versauert. Da nicht absehbar ist, wann der Film im Free TV wieder zu sehen ist, empfehle ich den Kauf der DVD. Ich denke das ein oder andere wichtige Handlungsdetail wird sich erst beim mehrmaligen Ansehen offenbaren.
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75 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meisterwerk des spanischen Films!, 24. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Lucía und der Sex [2 DVDs] (DVD)
Wie mein Vorrezensent, war auch ich von der ersten bis zur letzten Minute von der Ausstrahlung am Mittwoch auf 3Sat ... elektrisiert! Was in den ersten 10 Minuten nach einen spanischen Softporno aussah, wurde zusehends komplexer. Der manchmal konfuse (natürlich aber gewollte) Handlungsstrang verdichtete sich, bis am Ende ein Film hervorging, dessen Geschichte als Film für sich steht. Eingehend zeigte der Film wie sich Jugend im Rausch der (Sex)Gefühle unschuldig austobt, und dies für die beiden Verliebten als Lebensmaxime gilt. Doch die Zeit des Reifens katapultierte beide aus Ihrer Liebesschutzisolation. Zur Mitte des Films stellte sich die Frage: Wachsen beide an Ihrer Liebe, oder zerbrechen Sie an ihrer zurechtgezimmerten Illusion von angeblicher Liebe. Wo "Eyes wide shut" endet, sich die Partnerprobleme unter zwei Menschen abspielen, wird hier der Faden weitergedreht. Die Verantwortung unter mehreren Personen, die sich zuerst nicht alle untereinander kennen (Schriftsteller, dessen Freundin; vergangene Urlaubliebschaft; Stiefvater des Kindermädchen; Kindermädchen; etc.), aber deren Schicksal aneinander verkettet ist, suchen nun im Schutze einer kleinen Insel, ihre Schuld aus der Vergangenheit zu verstecken bzw. zu lindern. In der zweiten Hälfte zeigt dieses Werk, wie jede der Rahmenpersonen von Schuldgefühlen befallen ist, resultierend aus ihrer Vergangenheit, da jeder in den Tag lebte, schnelle Befriedigung genoss. Doch erzeugten sie mit ihrem unbedachten Handeln für die Zukunft Probleme. Was mir der Film sagt: In uns schlummert ein Wert, vor dem man zwar flüchten kann, uns jedoch früher oder später immer wieder vor den eigentlichen Kern des Seins stellt: Verantwortungsvolles Handeln! Wir sind Geschöpfe bestehend aus Sexualität, jedoch in einem sozialen Umfeld, welches verantwortungsvolles Handeln braucht, damit wir die Liebe überleben und nicht an ihr zerschellen.
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46 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einfach irgendwie... alles. Intensiv., 10. Mai 2007
Dieser Film ist unglaublich. Das Spektrum an zwischenmenschlichen Facetten, die er plastisch darstellt, scheint unermesslich. Moral? Verurteilung? Fehlanzeige. Es gibt nicht viele Filme, die ich mehrmals direkt nacheinander sehen wollte. Dieser gehört dazu. Nichts für nebenbei. Schöner, aufregender, glaubwürdiger Sex, ja; aber die Spannungsfelder in den Leben der Figuren sind zu geladen, als dass er Selbstzweck wäre. Die verschiedenen Erzählebenen sind schön und geschickt verknüpft. Die Schicksale der Figuren ebenso. Die metaphorischen Komponenten des Films dienen ihm in seinem Anliegen. Und so verschieden die Menschen in dieser Geschichte sind: Alle Leben spitzen sich auf einen Punkt zu. Er heißt für mich: Erkenne den Sinn deines Seins. Weine deine Tränen. Lache dein Lachen. Gehe nicht an dem vorbei, was dich betrifft. Es gibt etwas im Leben, das dein zu Hause ist. Da musst du hin. Man kann nur Respekt haben vor Regie, Kamera, Story, Spiel. Haut und Seele so klug und nah in einem Film einzufangen -- beeindruckend. Kleine Abstriche bei dem auf mich etwas künstlich wirkenden Dialog zwischen den beiden Frauen vor der Schlussszene. Egal: Großartig!
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