Das ist ein Zitat des 1975 in Breslau geborenen Autors, der mit "Lubiewo" in Polen einen Skandal entfachte und zugleich die Literaturszene begeisterte. Michal Witkowski laviert in seinem dokumentarisch wirkenden Roman derart geschickt zwischen den Fronten, dass man am Ende nicht mehr weiss, ob der als Ich-Erzähler eingebrachte Autor selbst zur Szene gehört oder ob es nur ein cleverer Schachzug ist. Formal betrachtet, finde ich das Buch eher schwach. Auf den ersten neunzig Seiten erzählen die zwei alternde Tunten Patrycja und Lukrecja vom sexuellen Segen des kommunistischen Polens und den russischen Soldaten, die zu ergattern, so etwas wie In-den-Himmel-Kommen darstellte. Nun, Polen gehört in der Zwischenzeit zur EU und auch unter den Schwulen hat es Systemverlierer gegeben. Beim glamourösen und kostspieligen Auftreten im Jetzt können die in die Jahre gekommenen Mann-Frauen mit ihren Bäuchen und dem schmalen Geldbeutel nicht mehr mithalten. Es bleibt nur der Glanz der Erinnerung, der aber auch reich gepflastert ist von toten, an AIDS gestorben "Freundinnen". - Der Rest des Buches besteht leider aus unzähligen biographischen Schnipseln weiterer tragischer Helden der Szene, die aufgrund ihrer Kürze (eine bis wenige Seiten) eher an Zeitungsmeldungen als an einen Roman erinnern. Lediglich bei Anna und Paula, denen mehrere kleine Sequenzen gewidmet sind, entsteht noch so etwas wie ein Erzählstrang. - Kein Zweifel, das Buch ist mutig und die in Polen politisch geführte Diskussion (Schutz der Randgruppen, Kunstfreiheit, Liberalismus) verstellt den Blick auf die literarischen Qualitäten des Autors gründlich. Wenn man mal von den modernen Einsprengseln wie E-Mail usw. absieht, dann verfügt der Autor über eine bemerkenswerte erzählerische Qualität, die den Schluss nahe legt, dass mit ihm in Zukunft noch zu rechnen ist. Dass Witkowski belesen und ein aufmerksamer Kulturschaffender ist, zeigen die vielen Anmerkungen der Übersetzerin, die auf vergangene Errungenschaften der polnischen und osteuropäischen Kultur hinweisen. Als Lesegenuss ist das Buch leider nur Mittelmass.