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Lubiewo: Roman
 
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Lubiewo: Roman [Taschenbuch]

Michal Witkowski , Marie Hauptmeier
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 338 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (1. Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518419293
  • ISBN-13: 978-3518419298
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 12 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 800.185 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Micha? Witkowski
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

Sie sprechen voneinander in der weiblichen Form, geben vor, Frauen zu sein, und noch vor kurzem haben sie Typen aufgerissen, im Park, vor der Oper und am Bahnhof. Schwer zu sagen, wie viel davon Wahrheit ist, wie viel Märchen oder die üblichen Witze. Eins ist sicher - sie sind Teil einer alles andere als kleinen Gruppe von Menschen, die süchtig sind nach Sex. Kein Wunder, dass "Lubiewo" im schwulenfeindlichen Polen einen Skandal auslöste. Michal Witkowskis Tuntenroman mischt Essays, Reportagen und E-Mails, um die Veränderungen in der Parallelwelt nach der kommunistischen Zeit mit tragischen wie hochkomischen Szenegeschichten zu illustrieren. Seit den 70ern ist der Strand von Lubiewo an der polnischen Ostseeküste ein Schwulentreff. Während hier heute vor allem solariumgebräunte, scheinbar emanzipierte Gays abhängen, glorifiziert "Lubiewo" die alte, brutal-romantische Zeit der Heimlichkeit, um angenehm unkonventionelle Globalisierungskritik zu üben. Überzeugend, weil der vielschichtige Roman dabei nicht mit Schwarz-Weiß-Malerei und zu einfachen Antworten endet. Denn Witkowski weiß auch von der Realität seines Heimatlandes jenseits der Schutzzone des Badesstrandes. Er weiß vom nächtlichem Cruisen im Park, von anonymem Sex in öffentlichen Toiletten und der ständigen Angst vor gewalttätigen Übergriffen durch die Polizei oder Skinheads. (cs)

Pressestimmen

»Letztlich ist die Homosexualität in Witkowskis Text nur eine Chiffre für die Bedingtheit des postmodernen Lebens überhaupt: Das Ich erscheint nicht als autonom handelnder Held, sondern als Spielball, der zwischen den Elementarkräften Geschlechtstrieb, Geldnot und Schicksal hin und her geworfen wird. …
Was den Handlungsfiguren entgeht, streicht allerdings der Autor als Gewinn ein: Er beutet fremde Schicksale für seinen eigenen literarischen Erfolg aus. Das Elend der alternden Tunten ist der Glanz des jungen, attraktiven und erst noch literarisch begabten Autors.
Witkowski bleibt indes nicht blind für die ethische Dimension dieses Problems, er findet aber eine überzeugende Rechtfertigung: Nicht nur der Autor, sondern auch der Leser sucht ja in einem prekären Voyeurismus einen Blick auf die Freak-Show der polnischen Tunten zu erhaschen. Gerade die Reflexion des Beziehungsdreiecks zwischen Autor, Held und Leser macht aber die besondere Qualität von Witkowskis Bericht aus dem Revier aus: Er führt seine Protagonisten nicht vor, sondern gibt ihnen die Würde tragischer Helden, deren Schicksal die condition humaine zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur in besonders grellem Licht spiegelt.« Neue Zürcher Zeitung
»Michał Witkowskis Roman Lubiewo ist ein grandioses Denkmal für eine spezifisch schwule Subkultur kleinkrimineller polnischer Tunten, die mit ihrer ganz dem anonymen Sex gewidmeten Lebensweise nicht nur alle Arten von Emanzipation in Frage stellen, sondern gleich auch noch den ganzen Dekalog westlicher bürgerlich-liberaler Werte von Freiheit und Fortschritt bis zu Gleichberechtigung und materiellem Konsum. Das Buch ist eine Collage aus Gesprächsprotokollen, autobiographischen Aufzeichnungen, mündlich tradierten »urban legends«, Kontaktanzeigen und theoretischen Versatzstücken. Was diese wilde Quasi-Reportage zusammenhält und so überzeugend macht, ist die schonungslose Ehrlichkeit der Darstellung und die Authentizität des Tonfalls. ... Man wird süchtig nach den oft komischen, manchmal todtraurigen, gelegentlich äußerst bösartigen Geschichten der alternden Herren, die sich gegenseitig ausschließlich mit weiblichen Vornamen ansprechen.« Herbert Grieshoop, Die Welt

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das ist ein Zitat des 1975 in Breslau geborenen Autors, der mit "Lubiewo" in Polen einen Skandal entfachte und zugleich die Literaturszene begeisterte. Michal Witkowski laviert in seinem dokumentarisch wirkenden Roman derart geschickt zwischen den Fronten, dass man am Ende nicht mehr weiss, ob der als Ich-Erzähler eingebrachte Autor selbst zur Szene gehört oder ob es nur ein cleverer Schachzug ist. Formal betrachtet, finde ich das Buch eher schwach. Auf den ersten neunzig Seiten erzählen die zwei alternde Tunten Patrycja und Lukrecja vom sexuellen Segen des kommunistischen Polens und den russischen Soldaten, die zu ergattern, so etwas wie In-den-Himmel-Kommen darstellte. Nun, Polen gehört in der Zwischenzeit zur EU und auch unter den Schwulen hat es Systemverlierer gegeben. Beim glamourösen und kostspieligen Auftreten im Jetzt können die in die Jahre gekommenen Mann-Frauen mit ihren Bäuchen und dem schmalen Geldbeutel nicht mehr mithalten. Es bleibt nur der Glanz der Erinnerung, der aber auch reich gepflastert ist von toten, an AIDS gestorben "Freundinnen". - Der Rest des Buches besteht leider aus unzähligen biographischen Schnipseln weiterer tragischer Helden der Szene, die aufgrund ihrer Kürze (eine bis wenige Seiten) eher an Zeitungsmeldungen als an einen Roman erinnern. Lediglich bei Anna und Paula, denen mehrere kleine Sequenzen gewidmet sind, entsteht noch so etwas wie ein Erzählstrang. - Kein Zweifel, das Buch ist mutig und die in Polen politisch geführte Diskussion (Schutz der Randgruppen, Kunstfreiheit, Liberalismus) verstellt den Blick auf die literarischen Qualitäten des Autors gründlich. Wenn man mal von den modernen Einsprengseln wie E-Mail usw. absieht, dann verfügt der Autor über eine bemerkenswerte erzählerische Qualität, die den Schluss nahe legt, dass mit ihm in Zukunft noch zu rechnen ist. Dass Witkowski belesen und ein aufmerksamer Kulturschaffender ist, zeigen die vielen Anmerkungen der Übersetzerin, die auf vergangene Errungenschaften der polnischen und osteuropäischen Kultur hinweisen. Als Lesegenuss ist das Buch leider nur Mittelmass.
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