Ich hatte mir diesen Einschlaufenrucksack zum Transport einer DSLR mit Zusatzobjektiv gekauft, um damit sowohl kurze Wanderungen als auch Radtouren (maximal 1/2 Tag) unternehmen zu können, ohne daß mir - wie bei herkömmlichen Fototaschen - etwas Schweres vor dem Bauch oder unterm Arm "rumschlenkert".
Fangen wir mit den positiven Aspekten an:
Das gute Stück ist schick, klein, robust, handlich und von allen Rucksäcken, die ich bisher hatte, der mit Abstand am besten verarbeitete.
Außerdem ist für Unkundige nicht auf Anhieb (durch die Form oder eine plumpe Aufschrift á la "Cambag") zu sehen, daß darin etwas Wertvolles transportiert wird.
Im Stadtgetümmel erscheinen mir die robusten Reißverschlüsse der Kameraentnahmeöffnung sicherer als eine Aufreißlasche mit Bügel, auch wenn sie vielleicht ein bis zwei Sekunden mehr kosten.
Man hat die Kamera trotzdem schneller in der Hand als bei den konventionellen Transportvarianten und kann sie zur Not auch einhändig oder auf dem Rad sitzend entnehmen.
Für die "kleine" DSLR-Ausstattung (Cam, 1 Wechselobjektiv, Blitz, Ladegerät, Kabel, 2-3 Filter) reicht das Volumen durchaus, aber das obere "Stauräumchen" ist mir dann doch ein bißchen zu winzig.
Schon eine Getränkebüchse plus mittelgroßer Apfel sind zuviel, aber immerhin passen noch ein paar flache Schoko- oder Müsliriegel mit rein...
Warum Lowepro auf der rechten Seite kein Flaschennetz plus dehnbare Befestigungsschlinge für den Flaschenhals angebracht hat, wird mir ewig ein Rätsel bleiben, weil es einfach ZU nahe liegt und der Rucksack sonst keine sinnvolle Möglichkeit bietet, eine stinknormale mittelgroße Trinkflasche zu verstauen.
Eine solche Vorrichtung könnte dann wahlweise auch zur zweckmäßigen Unterbringung eines Stativs genutzt werden, welches im Hauptfach definitiv keinen Platz mehr hat.
Zu ziemlich wenig zu gebrauchen ist auch das Aufsatzfach auf der Vorderseite, obwohl es auf Bildern so aussieht, als besäße es eine Dehnungsfalte (was m.E. durchaus sinnvoll wäre).
In Wirklichkeit ist es flach und schon mit zwei Filtern oder einem Notizblock zum Bersten gefüllt.
Der Tragekomfort ist für meinen persönlichen Geschmack ausreichend.
Am Anfang ist es immer etwas unbequem durch den ungewohnten einzelnen Tragegurt in Verbindung mit dem Gewicht des Equipments, aber das ist nun mal systembedingt und wird im Laufe der Tour nicht mehr schlimmer, sondern man gewöhnt sich überraschenderweise sehr gut daran.
Man kann den Rucksack zur Abwechslung auch locker über die linke Schulter werfen, ohne den Kopf durch die Schlaufe zu stecken oder ihn längere Zeit bequem vor dem Bauch tragen.
Die Zusatzbefestigung, welche in der Werbung als Bauchgurt bezeichnet wurde, ist nicht viel mehr als ein schmaler Gurt, welcher unmittelbar unter dem Arm durchgeht und relativ straff gezogen werden muß, um einen festen Sitz und dauerhaft guten Tragekomfort zu erreichen.
Auf dem Rad ist sie allerdings unverzichtbar, da der Rucksack sonst wegen des Einschlaufenprinzips zu pendeln anfängt, was bei dem Gewicht keine Freude ist.
Summa summarum würde ich sagen, daß der Rucksack für kleinere Touren zwar nicht optimal, aber immerhin gut zu gebrauchen ist.
Man sollte ihn in dieser Größe (100AW) vielleicht besser als bequemere Alternative zur Fototasche, denn als ernstzunehmenden Fotorucksack betrachten.
p.s.: Nach mehr als einem Jahr Erfahrung mit dem guten Stück gibt es nun doch noch einige Dinge zu ergänzen bzw. zu relativieren.
Die wichtigste gute Nachricht vorab: Alle Nähte und Reißverschlüsse halten einwandfrei - trotz gelegentlicher Überladung. Die Nahtstellen fühlen sich nur etwas "weicher"/gedehnter an als beim neuen Rucksack, aber das war es dann auch schon. Fürs Radfahren und im Menschengetümmel ist der 100AW nach wie vor der optimale Begleiter. Was den Tragekomfort angeht, muß ich mein Lob im ursprünglichen Beitrag etwas einschränken. Mich stört speziell, daß der Gurt bei "voller Beladung" plus sommerlicher Kleidung am Hals drückt. Außerdem habe ich mir von meiner Schwester sagen lassen, daß das Einschlaufenprinzip wegen der diagonalen Position des breiten Gurts auf der Brust ohnehin eher etwas für männliche Träger ist. Man muß sich beim Gewicht wohl oder übel etwas einschränken. Als gerade noch akzeptabel für Halbtagstouren hat sich die folgende Kombination herausgestellt: Kamera, zwei 500g-Linsen, 0,33l-Flasche (passende dichte und auswaschbare PET für das obere Fach gibt es mit O- und Multisaft bei K******d), Müsliriegel, Blitz und 2-3 Filter. Wer als Einsteiger die leichten Plastelinsen von Canon verwendet, kann natürlich auch eine mehr mitnehmen - der Platz reicht allemal. Aus den genannten Gewichtsgründen vermisse ich die seitliche Flaschen-/Objektivhalterung mittlerweile nicht mehr sooo sehr wie am Anfang. Wenn ich mich zwischen Literflasche (statt 0,33) und Festbrennweite entscheiden müßte, hätte Erstere wohl das Nachsehen... Die Halterung für kleine (Einbein-)Stative beim Nachfolgemodell 102AW ist in meinen Augen trotzdem eine wichtige Weiterentwicklung, weil sie nicht im Wege ist und auch mal für andere Dinge (z.B. Teleskop-Wanderstock) zweckentfremdet werden kann. Last-but-not-least: in die Schlaufe des S&F-Systems auf der Rückseite läßt sich auch gut ein Stockschirm hineinstecken, wenn er beim Fotografieren im Wege ist.