Die Suche nach dem passenden Transport für Fotoausrüstung und andere Dinge hat bekanntlich kein Ende, und so kommen immer wieder neue Lösungen auf den Markt. Nachdem die letzten Jahre von der Sling-Bauart dominiert waren und frühere Jahre von zweigeteilten, aufklappbaren Kombi-Rucksäcken, wird vermutlich jetzt die Sport 200-Bauweise zahlreiche Nachahmer finden. Die Idee ist so simpel, dass es wundert, dass niemand früher sie umsetzte. Etwas im Stil von diesem Rucksack hatte ich mir 2011 für meinen Mammut Creon Pro gebastelt, in den ich einen Billig-Fotoeinsatz eingelassen habe und diesen durch die seitliche Öffnung erreichen konnte. Um die Kamera zu entnehmen, musste ich immer noch den Rucksack absetzen, danach wieder anschnallen. Jetzt kommt Lowepro mit diesem ultraleichten Semi-Sling.
Auch wenn der Rucksack für Sportler beworben wird, kommt er anscheinend auch für jemanden in Frage, der sich einfach nur gern bewegt und dabei auf die Fotoausrüstung nicht verzichten mag. Die ersten "Tests" führte ich auf dem Ostholsteinschen und Mecklenburgischen Flachland mit dem Lowepro dienen, sowohl auf dem Fahrrad als auch auf Schusters Rappen, dann etwas ausführlicher im Voralpenland. Den Rucksack habe ich zu Übungszwecken absichtlich etwas überladen, also unter anderem schweren Pullover rein statt leichtem Fleece, 2 L Wasserflasche und 2-3 Objektiven extra oben im Fach. Dazu ein kleiner 3D-Panoramakopf samt Drehteller. Also etwas übertrieben, geht es doch ums Üben und Testen der Grenzen. Dazu natürlich das Fotofach gefüllt (größere DSLR mit Standardzoom und 70-300 nebenan). Außen in die Stretch-Tasche kam ein leichtes Carbon-Reisestativ. In das Hydration-Fach mangels eines Trinksystems vorerst das iPad. Alternative: große Trinkflasche ins Stretch außen und Einbeinstativ ins Hauptfach.
Das Ganze trägt sich sehr gut, viel besser, als das filigrane Aussehen des Rucksacks, vor allem der dünn erscheinenden Gurte, vermuten lässt. Auch wenn die Hüftflossen eher stabilisierend denn entlastend arbeiten, verteilt sich die Last ziemlich gut über meine eher schmale Schultern. Der Rucksack selbst wiegt ja recht wenig. Die Sling-Funktion geht selbst unter dieser Volllast problemlos vonstatten, die leicht angerauten Riemenflächen geben jedenfalls auf Hard- und Softshell sowie auf T-Shirt genau so viel Grip wie nötig.
Wichtig: das Kamerafach kann unter Umständen von oben zusammengedrückt werden. Das passiert, wenn der Fotograf eine Weile mit der Kamera in der Hand statt im Fach durch die Gegend geht: dann wird die "Cargo" im oberen Fach dürchgerüttelt, und hat man auch drin ein bisschen herumgesucht, kann es am Ende sein, dass das Kamerafach kleiner wirkt. Der Kamera passiert nichts - sie war ja in der Hand. Entsprechende Pack-Strategie kann da Abhilfe schaffen, ansonsten: Rucksack mit geschlossenem oberem Fach kurz auf den Kopf stellen, schon wird der Platz wieder frei.
Beim Aufteilen des Fotofachs ist ein wenig herumprobieren nötig, bis alles passt - das ist aber bei jeder Fototasche so. Dem Zip muss man an den Ecken manchmal nachhelfen - bei gut gepacktem Rucksack aber auch das kaum.
Das Ganze sieht nicht nach Fotorucksack aus, das Lowepro-Branding ist (bei meinem orangefarbenen Exemplar) erfreulich zurückhaltend. Sicher ist der Sport 200 keine Lösung, um eine komplette Ausrüstung durchs Gelände zu schleppen, aber darum geht es auch nicht - die Kunst ist sowieso, das Nötige an Ausrüstung einzupacken. Den Rucksack zum Fotografieren nicht abstellen zu müssen ist schon ein Riesengewinn.
Ein paar kleine Meckerpunkte gibt es zwar - 4-5 cm breiter würde auch eine Cam mit aufgesetztem Telezoom aufnehmen, und das Kamerafach ist für eine mittelgroße DSLR-Kamera gerade noch so richtig. Die Rückenpolsterung und die Tragegurte machen erstaunlich gut mit - sowohl was die Stabilität angeht als auch die Atmungsaktivität. Es kommt sicherlich bald ein weiteres Modell von dem Rucksack, vielleicht etwas größer für längere Zooms (Sport 300?). Auf jeden Fall mal was Neues und mit dem Potenzial, bald von den Mitbewerbern kopiert zu werden.