Das zweite New-Order-Album, "Power, Corruption & Lies" von 1983 gilt heute allgemein als jenes, mit dem sich Bernard Sumner, Peter Hook, Stephen Morris und Gillian Gilbert von der Joy-Division-Vergangenheit lösten und einen ureigenen Stil zu entwickeln begannen. Auf dem Nachfolger LOW LIFE verfeinerten die Vier ihre Errungenschaften und legten ein Album nach, das melodischer, opulenter und vor allem eingängiger klang als alles, was vorher von New Order auf Albumlänge erschienen war. Der Synthezizer-dominierte Sound der 84er Single "Thieves Like Us" (die hier nicht vertreten ist) definierte den Sound für die acht Songs des Albums, von denen nicht nur die als Singles gecharteten "The Perfect Kiss" und "Subculture" Hitcharakter haben - wenn auch einen nicht ungetrübten, denn eine melancholische, bis ins Dramatische gehende Grundstimmung ist den meisten Songs anzumerken. Vor allem "Sunrise" und das suitenhafte Instrumental "Elegia", das Herzstück des Albums, klingen in ihrem barock anmutenden Pathos fast mehr nach The Cure als nach New Order.
Es muss gesagt werden, dass der Zahn der Zeit an diesem Album auch ein paar Spuren hinterlassen hat - die dominierenden Synhtie-Sounds von Gilbert und die Sequencer bzw. Beats von Morris werden von Hörern heute ohne Mühe als "eindeutig Eighties" identifiziert und klingen teils etwas veraltet, wenngleich sie ausgereifter und weniger holprig klingen als noch auf dem eingangs erwähnten Vorgängeralbum. Und für all jene, die es gewohnt sind, Sänger Bernard "Barney" Sumner "sauber" und "schön" singen zu hören, sei Folgendes angemerkt: Damals, vor zwei Jahrzehnten, befand er sich sozusagen erst in der "Lernphase", und so manches, wie es auf dem finalen "Face Up" nur allzu deutlich zu hören ist, klingt gesanglich ziemlich schief. Trotzdem ist und bleibt LOW LIFE ein Höhepunkt im Schaffen von New Order - und gleichzeitig ein heißer Tipp für alle Einsteiger.