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Das Ergebnis, das er in diesem Zustand hervorbrachte, war auch für die Plattenfirma so irritierend, dass sie die Veröffentlichung bis Anfang 1977 verzögerte. Solch ein verunsicherndes Werk mochte sie denn doch nicht ins Weihnachtsgeschäft werfen.
Schon der Instrumental-Opener "Speed of Life" macht die Grundstimmung deutlich: Depression, elektronische Kälte, Destruktion. Jeder zaghafte harmonische Ansatz wird sofort von zerfetzenden Synthesizer-Klängen zunichte gemacht. Der Einfluß von Brian Eno macht sich besonders bei der Verwendung elektronischer Klänge auf dem ganzen Album bemerkbar.
Auch die anderen 6 Lieder der alten Vinyl-"Vorderseite" wirken merkwürdig unfertig: die Themen werden nur skizzenhaft angerissen und hinterlassen einen nicht zu Ende geführten Eindruck. Titel wie "Breaking Glass" oder "Always Crashing In The Same Car" lassen keine Zweifel daran, dass wir auch hier Einblicke in eine zerstörte, hoffnungslose Welt finden. Nur der Abschluß "A New Career In A New Town" versprüht einen zaghaften Hoffnungsschimmer.
Wer nun die "Platte" "umdreht", wird auf der "Rückseite" mit einem wieder ganz anderen Bowie konfrontiert. Hier finden wir 4 ruhige, im Gegensatz zu den anderen Songs relativ lange Stücke. Von ihrer Machart erinnern sie an Pioniere der Synthesizer-Musik wie Klaus Schulze: meditativ, kontemplativ, nicht zum Nebenher-Hören geeignet. Bowie zaubert hier ganz eigenständige Soundlandschaften - immer noch elektronisch kühl, aber nicht mehr so depressiv wie auf der ersten Seite. "Warszawa" soll zwar an das Warschauer Ghetto erinnern, aber "Art Decade" und "Subterraneans" sind nicht mehr ganz so dunkel.
Das Irritierendste ist aber: Alle vier Stücke sind Instrumentals (von den Quäkereien am Ende von "Warszawa" mal abgesehen)! Solch ein wundervoller Sänger wie David nimmt sich hier freiwillig zurück und zeigt, welche musikalischen Fähigkeiten sonst noch in ihm stecken.
"Low" war für David sicher ein Stück Selbsttherapie. Für seine Fans ist es ein gewöhnungsbedürftiges, aber dafür um so gehaltvolleres Meisterwerk. Ein sicherer Schritt in die Welt der elektronischen Musik!
Diese Aussage mag wohl auf die meisten DB-Texte zutreffen, im Falle von „Low" trifft diese Aussage aber tatsächlich für Text UND Musik zu. Wenn man einen Song wie „Always crashing in the same car" hört, mag aber vielleicht bereits der Versuch einer logischen Analyse sinnlos sein. Das selbe gilt für „Sound and Vision" und selbstverständlich für die Instrumentalstücke des Albums. Wie schon ein anderer Rezensent vermerkte, ist die Grundstimmung des Albums „Depression, elektronische Kälte, Destruktion. Jeder zaghafte harmonische Ansatz wird sofort von zerfetzenden Synthesizer-Klängen zunichte gemacht. Der Einfluß von Brian Eno macht sich besonders bei der Verwendung elektronischer Klänge auf dem ganzen Album bemerkbar." Dennoch ist das Album keineswegs gefühllos. Wahlweise klingt es für mich so wie die „Seele einer Maschine" oder die „Mauern oder Maschinen" die wir zwischen uns Großstadtmenschen errichten. Wenn man Berichten über die Entstehungsgeschichte Glauben schenken darf, produzierte DB dieses Album in sehr kurzer Zeit sowie absolut drogenfrei (nach den drogenschwangeren Alben „Young Americans" und „Station to Station") und versuchte sich mit „Low" quasi selbst zu therapieren. Musikalisch gelang dies zumindest höchst eindrucksvoll.
Die elektronischen Stimmungsbilder des Albums überdauerten die Jahre jedenfalls problemlos und selbst im Jahre 2005 klingen die Berliner Klangfetzen überraschend aktuell. „Low" ist für mich zeitlose Avantgarde und wird aufgrund seiner abstrakten Texte und eindringlichen Stimmungsbilder wohl immer aktuell klingen.
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