LOVING GARBO ist eine amüsante Lektüre über die ( angeblichen ) Romanzen des Hollywoodstars Greta Garbo, verfasst von Hugo Vickers, dem Biographen des seinerzeit weltbekannten Photographen Cecil Beaton.
Alles beginnt im Sommer 1932 und endet im April 1990. Dazwischen liegen viele Jahre voller Eifersüchteleien, Klatsch & Tratsch und gekränkten Gefühlen.
Cecil Beaton träumte schon als junger Mann davon, zur "Elite" zu gehören, und konnte sich schnell einen Namen in der noch neuen Szene von Mode- und Photokünstlern machen. Er war vernarrt in Promis und wollte so viele wie möglich kennenlernen und portraitieren, um seine eigene Reputation aufzubauen.
Greta Garbo war damals der bekannteste Star der Welt und für Cecil Beaton so gut wie unerreichbar. Sie mied öffentliche Parties, Bälle und Filmpremieren und wusste nur zu gut, dass kaum jmd an ihrer Freundschaft interessiert war sondern nur einen Teil ihres eigenen Ruhmes abhaben wollte.
Anfangs hat der Autor den Schriftwechsel abgedruckt, der sich indirekt mit Greta Garbo beschäftig, und nach dem Cecil Beaton die Garbo endlich kennengelernt hat, kommen wir in den genuss der fast komplett erhaltenen Korrespondenz zwischen den beiden. Allerdings hat GG so gut wie keinen brief ihres Verehrers Beaton beantwortet. Nur manchmal kam als Antwort ein Telegramm ( in der Regel bestehend aus 1 bis 4 Worten, meist ohne Unterschrift ).
Deshalb erleben wir die Welt der Society und die angebliche "Beziehung", die Beaton zur Garbo aufbauen konnte, nur aus seiner Sichtweise.
Garbo blieb stumm, und sie hat auch keinerlei Korrespondenz aufbewahrt. Selbst schwärmerische Briefe von Hitler und Göring hat sie vernichtet, und auch über ihre karitative Arbeit und ihre Agentenrolle im 2. Weltkrieg gibt es keine festen Nachweise.
Cecil Beaton ahnte dies wohl und hat jeden der Briefe, die er ihr geschrieben hat, kopiert. Der Gedanke an seine Memoiren und den postumen Ruhm wird dabei auch eine große Rolle gespielt haben....
Wenn es nach C B geht, hatte er in den vierziger jahren eine sexuelle Beziehung zur Garbo, trotz seiner Homosexualität. Er wollte sie ehelichen und ihr zurück vor die Kamera helfen. Er machte einige der schönsten Aufnahmen der Garbo und hat ihre Freundschaft dadurch verspielt, dass er schon zu Lebzeiten jedes Detail seiner Beziehung und auch jede Nuance seiner "Hass-Liebe" zu ihr in seinen Tagebüchern veröffentlicht hat.
Andere prominente Zeitgenossen werden auch zitiert und kommen zT durch ebenfalls erhaltene Briefe zu Wort, und alles in allem bekommt man einen ganz guten Eindruck von der heuchlerischen "Künstlerszene", in der jeder nur an sich selbst denkt und schonmal alle Weichen stellt, um noch im Tode ewig in Erinnerung zu bleiben.
Natürlich stimmt nicht alles, was wir zu lesen bekommen. Aber es ist schön in diese Welt einzutauchen. Und man erkennt, dass selbst solche Menschen nie wirklich glücklich waren.
5 Sterne :-)