Die ganze Vielfalt der Liebe in 26 Kurzgeschichten. Es sind nicht unbedingt die klassischen Liebesgeschichten, die man vielleicht erwarten würde, hier treibt die Liebe mitunter seltsame, bizarre Blüten und manchmal habe ich mich sogar gefragt, was die Geschichte überhaupt noch mit Liebe zu tun haben soll, z.B. in "Die Tyrannei des Küchenhundes". Der Erzählband ist zweigeteilt, die Geschichten schön danach sortiert, ob sie nun glücklich oder traurig enden.
Der erste Teil mit den tragischen Geschichten, die manchmal gar nicht sooo traurig sind, beginnt dann auch wirklich mit einer herzergreifenden, modernen Romeo und Julia Geschichte, die mich sofort am Kragen packte. Überhaupt gefielen mir die Erzählungen im ersten Teil des Buches bei weitem besser als die mit den Happy Endings. Da ist z.B. ein Junge, der in Kriegszeiten und Hungersnot sein geliebtes Kaninchen zum Metzger bringen muss, dort angekommen, aber statt des Haustiers seinen Arm opfern will. Trotz meinen schlimmsten Befürchtungen überraschte die Autorin schlussendlich doch noch mit einem unblutigen Ende. In der "Ballade vom unbekannten Jungen" geht es um die Liebe zur Musik, die mich aufgrund der leisen Erzählweise und der Poesie sehr berührte. Dies sind nur ein paar wenige Beispiele für den Einfallsreichtum der Autorin.
Im zweiten Teil des Bandes gibt es leider kaum mehr eine Geschichte, die mir so richtig gut gefiel. Entweder sind Irene Dische hier die grandiosen Ideen ausgegangen, mit denen sie anfangs auftrumpft, oder ich kann mich grundsätzlich nur für die Tragik begeistern. Na ja, ist wohl alles Geschmackssache. Die große Bandbreite der Themen und die Fähigkeit, vor allem im ersten Teil auf wenigen Seiten tiefe Emotionen zu erzeugen, muss man Irene Dische in jedem Fall hoch anrechnen. Was sie hier oft auf 10 Seiten schafft, können Andere nicht mal auf 100 Seiten ausdrücken. Da die Geschichten wirklich alle erdenklichen Lebenssituationen abdecken, und seien sie auch noch so bizarr, dürfte für jeden Leser was dabei sein, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass einem von diesem kunterbunten Flickenteppich tatsächlich jedes Puzzleteilchen gefällt, denn die oftmals sehr schräge Charakterzeichnung macht eine Identifikation oder die Aufbringung von Verständnis nicht immer leicht. Alles in allem halten sich die Plus- und Minuspunkte in "Lieben - Loves" die Waage und ist, wie schon gesagt, Geschmackssache. Leute, die sich gerne überraschen lassen oder nicht den Atem für einen dicken Roman haben, sind mit dem Buch garantiert auf der richtigen Seite.