Lautenlieder der Renaissance und das frühen Barock, besonders solche aus dem englischsprachigen Raum, erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit, ja, erleben ihrerseits eine Renaissance. Das vorliegende Album befasst sich mit der sogenannten "metaphysical poetry" der postelisabethanischen Zeit. Diese Stücke haben Diesseitigkeit in Form von Liebe und Jenseitigkeit in Form von Tod zum Gegenstand. Es handelt sich dabei um ehrliche, authentische Werke, obschon einige davon anonym geblieben sind.
Arrangiert sind die Lieder für Sopran (Dorothee Mields), Gambe (Hille Perl) und Laute (Lee Santana). Die Interpreten haben die Stücke zu thematischen Dreiergruppen geordnet, wobei immer wieder rein instrumentale Stücke mit eingeflochten sind. Die einmalige, unvergleichliche Stimmung dieser Perlen ist berührend und idyllisch zugleich. Neben so ernsten Stücken wie "The Expiration" von John Dowland finden sich überaus komische Lieder wie "No, no, fair heretic". Die Komponisten dieser Stücke befinden sich in einem inneren Zwiespalt, hadern mit Gott und der Welt und begeben sich auf intimste Art auf die Suche nach sich selbst. Die Aufnahmequalität dieser 2010 entstandenen Einspielung ist hervorragend.
Wunderbar verträumt und völlig glasklar ist die Stimme von Dorothee Mields. Sie ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass sich der Hörer dieser wundervollen Zusammenstellung in eine längst vergangene Zeit zurück versetzt fühlt. Man merkt ihrem Recital deutlich an, dass es hier nicht nur um irgendeine zu Geldzwecken auf den Markt geworfene CD geht, sondern dass sich alle Akteure intensiv mit der Materie auseinander gesetzt haben.
Auch Perl und Santana gehen in ihrer zumeist begleitenden Rolle auf. Perls wie immer beseeltes und ergreifendes Spiel zieht sogleich in seinen Bann. Es ist schwer, sich von dieser elysischen, verklärenden Musik zu lösen. Auch Santana nur als Begleiter abzustempeln, würde der Vollkommenheit seines Spiels nicht gerecht. Alle zusammen liefern einen farbenfrohen, pointenreichen und spannenden Vortrag, der stets transparent und differenziert bleibt.
Fazit: Eine sehr empfehlenswerte Anthologie, und das nicht nur für Fans Alter Musik...