Ich habe lange herumüberlegt, wie ich den 8. Teil der BD Reihe bewerten soll. Und was ich darüber Positives sagen kann, denn offen gestanden schwirren in meinem Kopf mehr Beanstandungen herum als Lobpreisungen. Hauptverantwortlich dafür sind einfach meine (zu?) hohen Erwartungen, die ich an JMs Story gestellt habe. Man bedenke, dass wir bereits seit Buch Nr. 2 von ihm lesen und sein Charakter dementsprechend gut ausgearbeitet ist. Er ist ein fixer Bestandteil des BD Universums, und genau deswegen hatte ich mich wahnsinnig auf seine Story gefreut - nur um dann bitter enttäuscht zu werden.
Okay, "bitter" ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber ich habe mir einfach so viel erhofft, so viele Szenen sind in meinem Kopf entstanden, die ich mir in diesem Buch gewünscht hätte, aber rausgekommen ist leider nur eine sehr, sehr minimalistische Ausführung von Johns und Xhexs Lovestory. Und das war es doch, worauf wir alle gewaret haben, oder? Ich zumindest. Von allen Paaren haben mich JM/Xhex immer am meistens begeistert. 1. Weil ich die Zusammenstellung "unsicherer JM - harte Amazone" immer schon ziemlich interessant gefunden habe und daher unbedingt wissen wollte, was Ward daraus macht, und 2. weil sie von allen immer noch die Aussicht auf die glaubwürdigste Lovestory hatten, denn immerhin kennen sie sich seit einigen Büchern und haben sogar schon - man höre und staune - ein paar Mal miteinander interagiert. So etwas ist ja bekannterweise eher eine Seltenheit im Romance Genre, wo sich doch sonst immer alle sofort nach drei Tagen unsterblich ineinander verlieben, obwohl sie sich kaum kennen und eigentlich nichts miteinander erlebt haben. Bei JM und Xhexs gab es schon vorher ein paar Annäherungen, die genug Potential für eine verdammt glaubwürige, komplexe Liebesgeschichte hätten liefern können. Doch wie gesagt: aus der Traum.
Um es ein wenig konkreter zu machen: all die knisternde Spannung, die die Bücher davor zwischen den beiden aufgebaut wurde, ist von einer Seite auf die andere plötzlich verschwunden. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass Ward mit den Gedanken bereits beim nächsten Buch war und deshalb Teil 8. ganz schnell und lieblos heruntergeschrieben hat, frei nach dem Motto: "So, jetzt ist JM dran, damit wir den auch einmal abgehakt haben, okay, lösen wir schnell die Probleme zwischen ihm und Xhex, machen wir sie weiblicher und verletzlich, lassen wir sie ganz schnell zueinanderfinden, und ab zum nächsten Paar." Zwar ist die Storyline an sich sehr durchdacht und komplex, aber das, worum es geht, nämlich das Hauptpärchen, geht in den Wirren der anderen Handlungsstränge ziemlich unter. Und dabei hätte es so viele Möglichkeiten gegeben, aus diesem Buch etwas besonderes zu machen. Man nehme nur mal Johns Stummheit. Ich fand die Idee, dass er nicht sprechen kann, immer schon gelungen, denn auf diese Weise bekommt er eine ganz eigene Form von Schwäche, die viele Anknüpfpunkte für Konflikte und Feinheiten bietet. Man hätte hier ganz wunderbar sanfte Töne anschlagen können, mir schweben da zum Beispiel Szenen vor, in der es Verständigungsprobleme zwischen ihm und ihr gibt oder wie er vesucht, ihr die Zeichensprache beizubringen. Als bestes Beispiel fällt mir die Szene aus Zs Buch ein, wo die beiden ineinanderrennen, John sich schriftlich entschuldigen will und Z beinahe ausflippt, weil er nicht lesen kann. Na das war mal eine Situation, auf so was habe ich mich gefreut. Überhaupt habe ich mich darauf gefreut, JM mal aus dem Blickwinkel anderer zu sehen, da wir ihn sonst immer nur aus seiner Perspektive erleben. Aber da kam nichts. Er wurde kaum beschrieben, und Xhex hat ihn immer sofort verstanden, wenn er stumm etwas zu ihr gesagt hat. Und wenn wir gerade beim Thema sind: ich fand es wahnsinnig blöd, dass Xhex sofort die Zeichensprache beherrscht, ich meine, bitte! So was lernt man nicht von heute auf morgen. Johns Stummheit ist eine Eigenschaft, aus der sich viele gute Szenen schöpfen lassen, sowohl romantische als auch lustige, aber Ward wollte diesem Problem anscheinend unbedingt aus dem Weg gehen. Wieso hat sie ihm dann nicht gleich eine Stimme gegeben? Echt enttäuschend.
Aber schön, lassen wir das mal. Das Buch bestand schließlich zu fünfzig Prozent auch aus anderen Storylines, über die sich einige schon heftig beschwert haben, allem voran die Geschichten mit Holly und Greg und Darius und Tohr. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich es sehr gut fand, wie Ward hier ans Werk gegangen ist. Sicher, es war schon ziemlich gemein von ihr, immer dann den Handlunsgort zu wechseln, wenn es am spannendsten war, aber hey, so läuft das. So schreibt man gute Bücher. Die Geschichte von dem Haunted House war eh so minimalistisch ausgeführt, es gab nur ein paar Kapitel. Ist also zu verkraften. Und die Reisen in die Vergangenheit, wo Darius und Tohr thematisiert werden, fand ich ehrlich gesagt sehr gelungen, weil sie ein bisschen was Sherlock-Holmes-haftes hatten. Eine kleine Krimigeschichte im 17. Jh., wirklich kein schlechter Einfall, vor allem, wenn sich am Schluss dann alles zusammenfügt.
Wobei: verily, verily, verily... wahrlich, wahrlich, an dem Vokabular muss Frau Autorin wohl noch arbeiten. Hätte ich Zeit und Lust gehabt, hätte ich eine Liste an Wörtern anlegen können, die sich immer wieder zwischen den Seiten finden lassen. Mal sehen, ob es ich aus dem Gedächtnis kann... motherf***er, sitch, the thing was, bottomline, besagtes verily, niiiice, und natürlich andere in die Länge gezogene Wörter à la Dr. Cox, die mir im Laufe der Zeit doch ziemlich auf die Nerven gegangen sind. Vor allem: manchmal war es schlicht und ergreifend unpassend. Spannende Szenen wurden mit unnötigem Humor verfälscht und einfühlsame Szenen sperrig gemacht. Und der Slang... oh mein Gott, das war nicht mehr normal. Jedes Wort bekam ein "F***ing" vorangestellt, und die Leute waren sowieso alle Motherf***er. Und von Redewendungen wie "hang a louie" will ich erst gar nicht reden. Aber okay, das haben schon andere vor mir bemängelt.
Kommen wir mal lieber zum Positiven an Lover Mine, und da fallen mir nur zwei Namen ein: Qhuinn und Blay. Wuuuaaahhhhh. Ich zittere vor Ehrfurcht. Wenn dieses Buch nicht so enttäuchend wäre, hätte ich locker 20 Punkte vergeben, und zwar nur wegen der kongenialen Show, die die beiden hier abliefern. Ich habe mich in regelmäßigen Abständen dabei erwischt, wie ich panische "Oh my god, no!"-Rufe zwischen die Seiten gejammert habe, und bei ihrer letzten Szene auf dem Balkon, als das fatale "Take care of yourself" kam, konnte ich für gut eine Minute nicht mehr weiterlesen. Im Ernst jetzt. Ich bin da gesessen, hab meine Kinnlade aufgeklappt und stumm gefragt, warum. Tja. So viel zum Thema "gutes Home-Entertainment". Wenn die beiden nicht zusammenkommen, sehe ich mich gezwungen, die Menschlichkeit der Autorin doch sehr infrage zu stellen. Allerdings glaube ich nicht, dass die beiden ein eigenes Buch bekommen werden. Wäre wohl zu drastisch. Ich glaube eher, dass Ward ihre Geschichte weiterhin als Sidestory erzählen wird, was aber gar nicht so schlecht wäre, denn auf diese Weise würde es etwas besonderes bleiben und den Zauber nicht verlieren. So war es am Anfang ja auch bei JM und Xhex. Da war enorm viel Spannung in der Luft, wenn sie sich nur angesehen haben. Aber kaum bekommen sie ein eigenes Buch, geht alles vor die Hunde. Möge Ward gnädig sein und Qhuinn und Blay dieses Schicksal ersparen.
Stellt sich am Schluss nur noch die Frage, welches Paar als nächstes kommt. Payne und Manny, gähn. Was auch immer in zukünftigen Büchern noch passiert, ich bin auf jeden Fall dafür, dass Lassiter und Saxton rausgeworfen werden. Haben beide keine sonderlich wichtige Funktion meiner Meinung nach. Der eine fungiert als Platzhalter, der andere als Glühbirne. Bitte weg mit denen.
Die 3,5 Sterne gehen jedenfalls ausnahmslos auf Qhuinns und Blays Konto, und auf das der komplexen Erzählweise und dem einen oder anderen lustigen Moment. Abzug gibt's wegen der verschenkten Möglichkeiten.
P.S.: Dass die Brothers nicht so präsent waren, hat mich persönlch gar nicht mal so gestört, denn in früheren JM-Szenen waren sie ja auch nicht wichtig. Gerademal Tohr und ein bisschen Z, und mit Beth hatte JM doch von Anfang an nichts zutun. Mich hat es eher immer gewundert, wieso er nie wieder mit Mary interagiert, wo er sie doch schon so lange kennt und früher immer angerufen und gestalkt hat. Klassischer Fall von vergessener Connection. Aber auch egal. Ich wollte am Ende dann sowieso nur noch von Qhuinn und Blay lesen.:-)