Habe noch nie zuvor von diesem Künstler gehört - bin also ganz unvoreingenommen an diese Platte rangegangen. Gerne schaue ich beim oder nach dem 1. Anhören bei Amazon mal nach, was die Künstler sonst noch so gemacht haben. Und auch die Rezensionen sind dann ganz interessant.
Hier gehen die Meinungen mal wieder so was von auseinander. Allein dafür verdient die Platte schon den 1. Stern - ich mag es, wenn etwas polarisiert.
Was mich als erstes schon beim 1. Titel begeistert hat ist der Kontrast zwischen "altmodischen" Instrumenten und Soundeffekten und der leicht verfremdete Sound der Stimme. Plötzlich finde ich mich in einem seltsam verstaubten Raum wieder - verstaubt im besten Sinne, ich denke an die Atmosphäre einer vergessenen Bibliothek oder ein lange nicht betretener Dachboden, wo die Staubpartikel im Lichtstrahl des kleinen Giebelfensters tanzen.
Man sitzt da und blättert in alten Büchern und Schwarz/Weiß-Fotos.
Gänsehaut!!!
Und so geht es weiter - die Bücher (Songs) bieten trotz ihres gefühlten Alters neue Aspekte, die Fotos zeigen fremde Menschen mit vertrauten Augen. Die Songs sind abwechslungsreich, die Melodien eingängig und doch auf keinen Fall abgedroschen. Die Soundeffekte dienen immer der Story, nicht der Verspieltheit eines Produzenten, der seinen Synthifuhrpark vorführen will.
Mir fiel beim Genuss dieser dichten und trotzdem immer wieder luftigen Musik Simon & Garfunkel ein, die Beatles, Procol Harum, Moody Blues - allesamt in Ihrer Spätsechziger Phase - aber Coldplay, hm da muss man schon lange nachdenken um darauf zu kommen - ok, die Stimme vielleicht - von den aktuellen Bands würde ich eher in Richtung Keane vergleichen. Aber die Songs sind hier dann doch noch einen Tick melancholischer.
Meine Anspieltipps: "Postcard from a Dark Star", "Verily" und "The Leaving Song" - und wenn man gerne mal was fröhliches hören will, warum nicht "Butterfly"?
Wie gesagt, den 1. Stern gibts dafür, dass es keine Musik ist, die jedem gefällt.
Stern 2: die Arrangements und Soundeffekte
Stern 3: die Atmosphäre der Songs
Stern 4: die Melodien
Stern 5: die intimen Texte
Stern 6: die ungewöhnliche Stimme
Stern 7: die Erinnerungen, die Merz bei mir wachgerufen haben
Ach halt, es gibt ja nur 5 Sterne - na die sind hier aber ganz und gar verdient.