Was war das doch damals für eine Enttäuschung als ich (zu der Zeit noch großer Papa Roach-Fan) zum ersten mal in "Lovehatetragedy" reinhörte und merkte das es sich nicht um eine Kopie von "Infest" handelte. Angefangen bei der blechernen Produktion, dann das gedrosselte Tempo, weniger Raps dafür mehr Gesang, weniger gesellschaftskritische sondern eher auf Herzschmerz ausgelegte Lyrics und die größtenteils fehlende Härte des Vorgängers. Alles ließ einen denken das die einstigen Helden einem ein mittelmäßiges Album beschert hätten. Doch diese Gedanken erwiesen sich als falsch, denn mit der Zeit erkannte ich das die Entwicklung die Papa Roach hier begannen nicht nur sehr gut sondern auch richtig und wichtig war. Die Band hatte die Zeichen der Zeit, nämlich das der Nu Metal im sterben lag erkannt, weswegen man in rockigere Gefilde steuerte und Elemente des Punk aufnahm. Eine Entwicklung zum Alternative war hier schon zu erkennen. Allerdings agieren Papa Roach auf deutlich höherem Niveau als auf den Alben die sie später noch rausbringen sollten. "Lovehatetragedy" mag zwar generell unter Fans einen niedrigen Status innehalten, aber das der ungerechtfertigt ist erkennt man nach mehrmaligem hinhören. Dann merkt man das die Band richtig ins Rockgefilde passt und findet Songs die mit Sicherheit zu ihren besten gehören.
"M-80 (Explosive Energy Movement)" ist sogleich der fetzende und überraschend punkige Opener, der anstatt kritischer Lyrics das Lebensgefühl des Rock n' Roll zum Thema hat. Radikaler aber auch besser kann man in den neuen Stil der Band nicht eingeführt werden. 5/5
"Life Is a Bullet": ein perfektes Beispiel für das langsame Tempo das für die Band immer wichtiger wurde. Nach mehrmaligem Hören entwickelt die zunächst langweilig erscheinende Nummer allerdings einen solchen Ohrwurm, das man gar nicht mehr genug davon kriegen kann. Gerade der Chorus und der ruhige Mittelteil setzen sich im Ohr fest und lassen einen nicht mehr los. 5/5
"Time and Time Again" zündet ebenfalls erst nach einigen Durchgängen, aber wenn dann richtig! Im Rückblick eine gute Wahl als zweite Single. 5/5
"Walking Thru Barbed Wire" startet mit einem sehr einprägsamen, mitreißendem Riff kann aber das hohe Niveau nicht über Laufzeit halten. 4/5
"Decompression Period" ist ein sehr schöner balladenartig aufgebauter Rocksong und handelt über Beziehungsprobleme, wobei die Band beeindruckend unter Beweis stellt das sie auch solche Songs drauf hat. 5/5
"Born with Nothing, Die with Everything" setzt sich bei mir dagegen bis heute nicht wirklich im Gehör fest, obwohl der Song durchaus gute Anlagen hat. 3/5
"She Loves Me Not" ist natürlich ein absoluter Riffhammer und nicht umsonst die erste Single gewesen. Auch hier ist es ratsam sich das Stück öfter anzuhören, denn dann zündet sie richtig :). 5/5
"Singular Indestructible Droid" ist dann einer der härtesten Riffmonster die Papa Roach je geschrieben haben. Zunächst wird mit einem crescendo die Stimmung gesteigert bis die Band richtig losbricht und einen genialen Song zwischen düsterer Atmosphäre und harten Riffs durchbrettert. 5/5
"Black Clouds" ist eher ein Song der langsamen und depressiven Sorte, der im Refrain allerdings so richtig ausbricht das es einen einfach mitreißt. 5/5
"Code of Energy" ist eine der schnellsten und härtesten aber auch abwechslungsreichsten Songs auf dem Album der nicht zuletzt wegen des rebellischen Textes übelst rockt auch wenn er gegen Ende recht melancholisch ausklingt. 5/5
"Lovehatetragedy" beginnt augenzwinkernd mit einer typischen Lovesongmelodie und weiß bis zum Chorus auch zu überzeugen, doch leider setzt die Band den Chorus total in den Sand, so dass der Song nur durchschnittlich ausfällt. 3/5
"Gouge Away" (Bonus Track): ein Pixies-Cover was die Band sehr gut umsetzt. Auch wenn es natürlich nicht zum Rest des Albums passt, die Nummer rockt trotzdem. 5/5
"Never Said It" (Bonus Track): Nur ein Bonus Track? Der Song rockt so genial mit den harten Riffs und dem sehr gutem Gesang, das man sich fragt warum der nicht sofort zwischen die anderen gepackt wurde und auf einigen Versionen gar nicht enthalten ist. 5/5
Letztendlich ist "Lovehatetragedy" ein würdiger Nachfolger der großartigen "Infest". Nicht immer erreichten Papa Roach hier hohes Niveau aber dennoch über die meiste Zeit. Mit den Bonus Tracks ist das Album sogar schon an der Grenze zum absoluten Hammer, aber so ganz reicht es dann doch nicht, deswegen "nur" 4 Sterne. Die sind aber mehr als verdient. In meinen Augen ist dies nochmal ein richtig starkes Papa Roach Album bevor sie die Veränderung sonst wohin führte. Man muss sich in die Platte nur reinhören, dann zündet sie auch. Kaufempfehlung!