Groß ist der Katzenjammer über den Niedergang Erasures, der nach dem grandiosen "Chorus"-Album 1992 einsetzte, wobei auffällig ist, dass sich gerade ein großer Teil der einst fest eingeschworenen Erasure-Fangemeinde abgewendet zu haben scheint. Dabei fragt sich, ob es wirklich besser ist, mit dem Aufpolieren des 80er-Synthipops, wie auf "Cowboy" geschehen, zur blassen Kopie seiner selbst zu werden, statt neue Wege zu versuchen. Es ändern sich halt die Zeiten! Die einstigen Hymnen der eigenen Jugend bleiben deswegen nicht weniger unsterblich. --- Insgesamt lässt sich feststellen, dass Erasure zunehmend düster und melancholisch klingen - so auch hier auf "Loveboat". Das kann auf Spötter wie der Abgesang auf sich selbst wirken. Wer sich dagegen die Mühe macht und sich hineinhört, findet musikalische Perlen von großer Gefühlstiefe. Das Streben nach symphonischer Harmonie am elektronischen Equipment kann als vollauf gelungen bezeichnet werden. Nie wirken die Arrangements überladen oder uninspiriert zusammengeschustert. Besonders hervorzuheben sind hier "Perchance To Dream", "Love Is The Rage", "Catch 22" und "Surreal". Auch "Where In The World" und "Moon & The Sky" sind in ihrer Wirkung famos, sofern man sie nicht nebenher verkonsumiert, sondern wirklich "hört". Andy Bells heller, sehr gut zu allem passende Gesang tut dabei wie gewohnt das Seine. Demgegenüber wirkt das flott-fröhliche "Freedom" auf dem Album fast deplatziert. Fazit: Erasure tragen ihre Altersfalten mit Würde, und das ist gut so.