das ist das meistgehasste live-album der stones, das, welches auch bei den fans nicht gut wegkommt.
ich liebe es trotzdem. erstens, weil es halt in einer lebensphase (so um die 14,15 jahre) da war, wo man sich in alles und jeden verliebt, auch in die lehrerin, in ein gänseblümchen oder einen hydranten. aber das ist natürlich kein argument für die amazon-kunden, insofern: pardon.
ich mag es, weil es ein ganz eigenes flair hat (das auf einigen bootlegs dieser ära, stimmt, noch besser rüberkommt). die band hatte damals, mit dem percussionisten ollie brown und dem pianisten billy preston (rip) sowie dem neu hinzugekommenen ronnie wood einen ganz eigenartigen sound, wie nie vorher oder nachher. manche songs profitieren von diesem schlammigen, groove-orientierten soulfunkrock, andere stürzen ab.
aber zumindest ist dieses album ein statement, man kann es mögen oder nicht, aber man kann es nicht leicht ignorieren.
wieviel hier im studio nachgebessert wurde, weiß ich nicht, es ist mir, ehrlich gesagt, auch wurscht. machen das nicht eh alle? zählt nicht das endergebnis? ein konzert lässt sich sowieso nicht eindosen, weil man die emotion des augenblicks nicht konservieren kann.
unfassbar, wie dieses album loslegt. die version von "honky tonk woman" groovt und rockt dermaßen unwiderstehlich, dass es einem den scheitel neu zieht. "if you can't rock me/get off of my cloud" hält den groove und beinahe das niveau. die ersten beiden albumseiten sind mir die liebsten. unpackbar stark "you can't always get what you want" mit dem besten ronnie-wood-solo ever. man vergleiche das nur mit dem lahmen solo auf "flashpoint".
wunderbar die funknummern "hot stuff" und "fingerprint file" - gut fetzender weißer blaxploitation-rock, falls es sowas geben kann. "star star" rockt ganz brauchbar und hat endlich den originaltext, den bösen.
mit der "el mocambo"-seite tu ich mir schwerer, obwohl sie allgemein als besonders stark gilt. erstens ist sie hier ein fremdkörper, passt überhaupt nicht in dieses album. zweitens finde ich es nicht soo reizvoll, wenn eine stadionband zehn jahre danach nochmal versucht, nachzustellen, wie das einmal war, in den kleinen clubs, mit den bluesstandards. es klingt nicht authentisch, finde ich. und auch nicht sehr ... wichtig.
was aber sehr fein wäre: wenn endlich die ganzen "el mocambo"-konzerte als eigene cd rauskämen.
der hitrun am schluss hat ebenfalls seine lauen momente. bei "jj flash" singt jagger dermaßen gehetzt und atemlos, dass man den text kaum hört: "it's o-ri no, in fa issa ga". mühsam. ist er damals soviel herumgehirscht auf der bühne?
und bei "sympathy" stimmt was mit dem groove nicht, die gitarren hatschen, eine sehr schwache version. "brown sugar" und "it's only" dagegen fetzen recht anständig.
wie gesagt: ein schwieriges album, aber ein ineressantes statement.