"The Best Of Black Music" - was oft nur ein wackliges Versprechen privater Radiosender ist, wird von Oceana tatsächlich umgesetzt. Die Newcomerin überzeugt mit gefälligem R&B, Soul und Reggae.
Als ob Ray Charles an den Tasten sitzt oder Quincy Jones den Dirigentenstab schwingt. Oceana reitet die Neo-Soul-Welle voller Referenzen an die Blütezeit schwarzer Musik der 60er und 70er. Orgel, Piano, Bläser - alle finden sich im Einklang mit zeitgemäßen Bass- und Beat-Läufen sowie ihrer beeindruckenden, vielseitigen Stimme wieder.
Mit dem groovigen Opener "Pussycat On A Leash" wird man sofort vom Stuhl gerissen und fühlt sich eingangs sogar kurz an Amy Winehouse erinnert. Auch im weiteren Verlauf des Debütalbums der Sängerin drängen sich musikalische Analogien auf. So hört man beispielsweise bei den niedlich beschwingten Titeln "Lala" oder "As Sweet As You", eindeutig wie an Supremes-Klassikern angeknüpft wurde. Andernorts zeigen sich stimmliche aber auch musikalische Parallelen zu Joy Denalane. Beispielsweise Oceanas "Cry Cry" greift zu großen Teilen die Instrumentierung und das Arrangement von Joys 2006er "Cought Up" auf.
Als einfühlsame Reggae-Interpretin beweist sich Oceana hingegen bei "Until I See Your Face" oder dem entspannt dubbigen "Baby Hold On". Nach dem Intro ihres finalen "You Need A Hug" wartet man förmlich darauf, dass Jimmy Cliff mit "Many Rivers To Cross" einsetzt. Um das Potpourri schwarzer Musik abzurunden, bannt sie mit "Bad Boy" noch den gelungenen Balance-Akt zwischen Jazz und Hip Hop auf ihr Album. Hier ist sie an der Seite von Boundzound zu hören, deren Sänger Demba Nabé sie noch aus gemeinsamen Seeed-Zeiten kennt.
Einziger Fehlgriff von "Love Supply" ist der Titel "Upside Down". Ohne Ecken und Kanten hat sich hier eine "Wanna Have Fun Tonight"-Nummer eingeschlichen, die zu stark in Richtung Mainstream schielt - ein unpassender Versuch P!nk und Co. die Fans abzuwerben.
Inhaltlich greift die Mittzwanzigerin mit den internationalen Wurzeln in ihren Songs gern die Themen Liebe und Sehnsucht auf. Ihre Zeilen adressiert sie vornehmlich an ein männliches Gegenüber und verarbeitet heiter bis wolkig ihr bisheriges Leben.
Trotz der zahlreichen Vergleiche, die sich beim Hören von "Love Supply" ergeben, liefert Oceana ein erfrischendes Debüt ab. Geschickt setzt sie ihr Pop-Mosaik aus den Trümpfen von Soul, R&B und Reggae zusammen. Ihr Name ist somit Programm - wie ein Ozean liegt sie zwischen den musikalischen Welten und lässt ihre multikulturelle Biographie einfließen. Mit diesem Konzept könnte sie demnächst einige Ufer überfluten.
Kai-Uwe Weser
Oceana ist personifizierte Energie - und zwar nicht nur, wenn sie Seeed-Choreografien entwickelt oder Boundzound aus dem Background einheizt. Die Sängerin und Tänzerin mit karibischen Wurzeln zeigte bereits auf der ausverkauften Peter-Fox-Tour mit ihren eigenen Stücken, dass ihr Sound groß genug für eine Solokarriere ist. Und dank der soliden Vorarbeit in Sachen Horizonterweiterung des Massenpublikums durch die bereits genannten Künstler nebst Soulerinnen wie Winehouse oder Duffy dürfte massiven Radio- und Tanzflächeneinsätzen nichts mehr im Wege stehen - außer vielleicht zu hohe Erwartungen. Denn bei allen noch so gerechtfertigten Vergleichen mit ihren musikalischen Mentoren und den Souldiven der Stunde, ist das Ergebnis in erster Linie vollkommen solide, ein gereiftes Substrat aus Soul und Reggae, Funk und ganz viel Pop. Oceana erfindet keinen Sound, sondern puzzelt zum eigenen Besten zusammen, was gut zusammen, zu ihrer Stimme und ihrem Temperament passt. Dass das kein jammeriger Schmusebrei ist, selbst wenn es ums Verlassenwerden geht wie in "He says", ist Ehrensache - und gut so. (kab)