Es ist schwer Kings neustes Werk mit seinen Vorgängern zu vergleichen. Schon im Vorfeld wurde viel darüber geredet, dass der Meister des Horrors plötzlich eine Liebesgeschichte veröffentlichen will, und auch die etwas seltsame Wahl des deutschen Titels ("Lisey's Story" im Original) lässt doch die Frage aufkommen, ob King neue Wege geht.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich folgendes sagen.. Wer wirklich fürchtet, dass sich bei "Love" um eine Liebesschnulze handelt, kann beruhigt zugreifen. Zwar unterscheidet sich der Roman doch ziemlich von seinen Vorgängern, doch es befindet sich genug Phantastik und Wahnsinn darin, dass man schnell merkt, wer dieses Buch geschrieben hat.
Zur Story:
Zwei Jahre sind vergangen seit Liseys Ehemann, der berühmte Romanautor Scott Landon verstorben ist. Langsam die Kraft dazu findend, will sie damit beginnen seinen Nachlass in seinem ehemaligen Büro zu durchforsten und zu sortieren. Doch dann stößt sie auf den ersten Teil einer Schnitzeljagd (ein Bool, wie er so etwas früher nannte), die ihr Mann schon vor seinem Tod für sie ausgelegt hat. Als sie der Spur folgt, wird sie wieder mit seiner grausigen Vergangenheit konfrontiert, die sie in den hintersten Ecken ihres Verstandes versteckt hat. Ihr Weg führt sie auch wieder an jene phantastische Welt, in die sich ihr Mann immer flüchtete und in die sie ihm auch schon oft gefolgt ist. Am Tag ist es ein wundervoller Ort, der mit seiner Schönheit jeden in seinen Bann zieht, doch wenn die Nacht eintrifft, erhält das Böse Einzug. Doch das ist nicht genug. Ein Mann namens Zack McCool taucht auf und er hat es auf Scotts Nachlass abgesehen. Zuerst ist es nur ein Telefonanruf, doch dann steht er eines Abends mit der Pistole in der Hand in Liseys Wohnung, und das hat schlimme Konsequenzen für sie.
Alles in allem ist das Buch ein sehr guter, wenn auch etwas ungewöhnlicher, King. Trotz des Horrors, dem Lisey immer wieder ausgesetzt wird, ist es eine Hommage an die Liebe. Doch auch bei diesem Thema schafft es King den Leser mit seinem Schreibstil zu fesseln und liefert keine schmalzige Liebesgeschichte Marke "Ghost: Nachricht von Sam". Die Rückblenden, mit denen der Leser mehr über Scotts schlimme Kindheit, in der viel Blut floss, ziehen einen schnell in ihren Bann und lassen nur sehr selten zu, dass man das Buch, trotz stellenweiße heftigen Inhalt, aus der Hand legt. Der Einband spricht von Kings persönlichstem Roman, und das ist nicht sehr abwegig, da man schnell Parallelen zwischen Scott Landon und Stephen King ziehen kann. Warum das so ist, wissen wohl nur Stephen und seine Frau. Ihr hat er diesen Roman gewidmet.
Allerdings liegt in der Schreibweiße auch mein größter Kritikpunkt in diesem Buch. Ich liebe Geschichten, die nach dem Motto "lieber etwas zu lang, als etwas zu kurz" geschrieben wurden, doch in manchen Passagen verliert sich King einfach zu lange in sinnlose Detailbeschreibungen und sorgt so für einige Längen.
Trotzdem bleibt dieses Buch auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass es viele alt eingesessene King Fans (und das soll jetzt keine Beleidigung sein) geben wird, denen es nicht so zusagt.