CdeB hatte bereits 1995 auf dem Orchester-Album "Beautiful Dreams" damit begonnen, alte Songs neu aufzukochen und - vielleicht etwas fragwürdig - mit neuen Stücken und Coverversionen zu mischen. Auf "The Love Songs" treibt er dieses Vewirrspiel noch auf die Spitze, besteht das Album doch etwa zur Hälfte aus unverändert übernommenen alten Stücken (mit dabei natürlich die unvermeidliche "Lady In Red" sowie eine Reihe weiterer Entgleisungen und nur wenige wirklich schöne Songs). Der andere Teil sind Neuaufnahmen, wobei CdeB zur Verwirrung vieler und zur Freude weniger in zwei Songs das "Beautiful Dreams"-Orchester-Konzept fortführte ("In A Country Churchyard" und "If You Really Love Her..."), dafür aber gewissermaßen im Gegenzug einen Song neu aufnahm, der auf "Beautiful Dreams" zu den neuen Stücken zählte ("In Love Forever"). Alles klar?! Schade, dass de Burgh mit dieser planlosen, wenn nicht gar beliebigen Wiederverwertungs-Taktik auch den meist schönen Originalversionen einen schalen Beigeschmack gibt. Man fragt sich, ob es der gute Mann wirklich nötig hat, sein eigenes Gesamtwerk derartig auszuweiden.
Wie auch immer, die Neuaufnahmen reichen allesamt nicht an die Originalversionen heran, was zu einem guten Teil an den seicht-bombastischen Arrangements liegt, für die der spätere Shakira-Produzent Lester Mendez (zusammen mit Paul Hardiman) verantwortlich zeichnet.
Neben alten Songs und Neuaufnahmen befinden sich auf "The Love Songs" zur zusätzlichen Verwirrung auch noch drei neue Stücke von recht unterschiedlicher Qualität. Über "So Beautiful" möchte ich nicht sprechen, denn dieser Song ist schlicht eine Farce und klingt wie eine böswillige Chris de Burgh-Parodie. "It's Me..." ist an sich ein hübscher Song, wird allerdings von einem grauenhaften Bombast-Arrangement erschlagen (das ab dem Trommelwirbel bei 4:12 zu allem Überfluss wie die Demo-Programmierung eines Keyboards klingt). Außerdem hätte es Chris wohl besser unterlassen, den Refrain ab dem zweiten Mal eine Oktave höher zu singen, tun einem die Stimmbänder doch schon allein vom Zuhören weh. Der dritte neue Song, "Forevermore" ist zwar im Grunde genommen ein recht seichtes Liedchen, hat aber aus unerfindlichen Gründen einen gewissen Charme und ist der einzige Song des Albums, den ich mir ganz gerne ab und zu anhöre. Two points for this one...!
Wenig schmeichelhaft sind die diversen Neuaufnahmen des Albums auch für das stimmliche Talent von CdeB. "Separate Tables" wurde gegenüber dem Original gar um eine Quart nach unten transponiert, auch "In A Country Churchyard" ist tiefer als das Original. Besonders schmerzlich bewusst wird einem das Stimmproblem aber in der offiziell "Remix" genannten Version von "Lonely Sky", die - wie das ganze Album - ein etwas seltsames Hybrid aus Altem und Neuem darstellt. Tatsächlich ist der originale Track remixt worden, lediglich der Gesang wurde neu aufgenommen. Und an diesem Punkt hat CdeB sich ein peinliches Eigentor geschossen, denn die zweite Stimme im Refrain ist die des Originals: der Chris von 1997 singt sozusagen im Duett mit dem von 1975. Davon abgesehen, dass das völlig krank klingt - wer bei diesem Spiel verliert, liegt wohl auf der Hand...
Sicherlich wird kein echter Fan auf dieses Album verzichten, brauchen wird es allerdings auch niemand. Anempfohlen sei es nur eingefleischten Masochisten. Für alle anderen gilt das Motto: Lieber net...!