Zum einen das es nun 35 Jahre her ist, dass Boney M. im Jahre 1976 von Erfolgsproduzent Frank Farian ins Leben gerufen wurde und zum anderen das plötzliche Ableben des Frontmanns der Gruppe Bobby Farrell am 30. Dezember 2010, gaben mir den Anlass dazu, alte Boney M. Platten aus dem Schrank zu holen und ihre Songs nochmals anzuhören.
1977 veröffentlichte Boney M. nach den Singles "Ma Baker" und "Belfast" ihr, wieder unter der Herrschaft von Frank Farian produziertes, zweites Album "Love For Sale".
Das Bild auf dem Cover von "Love For Sale" war noch gewagter als auf ihrem ersten Album. Die Szene ist fast identisch mit der von "Take The Heat Off Me". Liz, Marcia und Maizie liegen wieder eng umschlungen am Boden, während Bobby aufrecht im Hintergrund posiert. Er trägt einen winzigen Paillettenstring und um seinen Hals eine Halbmondkette die golden auf seiner behaarten Brust schimmert. Die Bundesprüfstelle schritt damals nicht ein und das Album war trotz dieser Freizügigkeit überall erhältlich.
"Love For Sale" ist wieder ein sehr abwechslungsreiches Album. Im Gegensatz zum Vorgänger "Take The Heat Off Me" bemerkt man hier, das die Songs ausgefeilter und professioneller in Szene gesetzt wurden. Zudem versuchte Frank Farian zunehmend auch Stilelemente der Rockmusik in den Sound von Boney M. zu integrieren.
Ma Baker: Das Lied basiert teilweise auf dem tunesischen Volkslied "Sidi Manzun" und wurde für Boney M. entsprechend bearbeitet. Eine durchgehende Bassline, der bekannte "Tic Toc Sound" und der typische Wechsel von tiefer Männerstimme und akzentuierten Frauenchor. Dazu noch Streicher und Bläsersatz. Der Hit war in diesem Sinne wohl vorprogrammiert, er ist ähnlich aufgebaut wie "Daddy Cool".
Love For Sale: Das Lied ist im Original ein Jazzsong von "Cole Porter" aus dem Jahre 1930. Stefan Klinkhammer hat hier als Arrangeur ganze Arbeit geleistet und das Stück im typischen Boney M.-Stil gepackt. "Love For Sale" zeichnet sich vor allem durch ein interessantes Streicher-Arrangement und die Stimme von Liz Mitchell aus.
Belfast: Der Song handelt über den Nordirland-Konflikt und wurde von Drafi Deutscher ursprünglich für Marcia Barrett als Solointerpretin komponiert. Gut das Frank Farian den Titel in letzter Minute zu einem Boney M. Lied machte, denn er wurde ein Riesenerfolg. "Belfast" ist insgesamt eine Kombination aus Rock und Disco. Marcia Barrett konnte hier gut zeigen was stimmlich in ihr steckte. Um den Text des Liedes gab es einige Aufregungen, denn Kritiker monierten damals, dass ein solch politisches Thema nichts in einem Popsong zu suchen hat.
Have You Ever Seen The Rain: Hierbei handelt es sich um eine Coverversion des Hits von "Creedance Clearwater Revival" aus dem Jahre 1971. Die Bearbeitung fällt jedoch schwach aus, auch wenn Liz Mitchell stimmlich versucht die emotionale Energie widerzuspiegeln welches das Original zu bieten hat.
Gloria, Can You Waddle?: Hier übernimmt Frank Farian alle Leadvocals und wird nur von einem Chor begleitet. Ein typischer Discosong aus damaliger Zeit ohne Tiefgang. Das Stück ist ähnlich aufgebaut wie "Baby Do You Wanna Bump".
Plantation Boy: Dieser beschwingende Reggae gesungen von Liz Mitchell mit seiner eingängigen Melodie widmet sich im Text der schweren Arbeit auf einer Baumwollplantage. Musik und Text stehen hier in einem krassen Gegensatz zueinander.
Motherless Child: Das Lied ist ein alter Gospel aus der Zeit der Sklaverei. Es berichtet von der Hoffnungslosigkeit eines Kindes, das seine Mutter verloren hat. Ein ernstes Thema, doch Produzent Frank Farian zeigt hier wieder seine Stärke aus traditionellen Liedern gekonnte Adaptionen im Boney M. Sound zu inszenieren.
Silent Lover: Dieses Stück ist eine Funky-Ballade. Marcia Barrett zeigt hier wieder was für eine großartige und ausdruckstarke Sängerin sie ist. Leider gab Frank Farian die von Marcia gesungenen Songs nur selten die Chance einer Single Veröffentlichung.
A Woman Can Change A Man: Ein Song der zum Tanzen und Mitsingen animiert. Hier hört man wieder das ausgefeilte Streicherarrangement und das Wechselspiel zwischen Leadsängerin Liz Mitchell und einem Chor.
Still I'm Sad: Das Original wurde von "The Yardbirds" im Jahre 1965 gesungen. Das Lied nutzt das erste Mal das später bei vielen Liedern als Markenzeichen von Boney M eingesetzte Summen von Chorstummen. Für Liz Mitchell war das Stück wie geschaffen. Sie überzeugt und präsentiert hier ihre Stimme in ganzer Schöhnheit.
Ma Baker - Somebody's Scream: Als erster Bonustrack der Remastered Reihe von 2007 findet man diesen Remix des deutschen Danceprojekts Sash! Zuerst erschien der Mix als Maxi für die Clubs und wurde später als Single veröffentlicht. Sie belegte immerhin Platz 30 der deutschen Singlecharts. Frank Farian nahm das Stück demnach mit in das Album "Boney M. 2000" auf und versuchte damit seine Kultgruppe ins neue Jahrtausend zu katapultieren.
Stories: Der Song entstand erst 1989 und hat keinerlei Bezug zum Album "Love For Sale". "Stories" erinnert mit seinen Rappassagen und speziellen Rhythmus stark an "Milli Vanilli". Nur die Stimmpassagen im Refrain, die von Liz Mitchell gesungen werden, erinnern an Boney M. Das Stück wurde im damaligen Sound à la "Soul II Soul" arrangiert und passte zum Soundtrend der späten 80er-Jahre. Sollte dies eine Reanimation von Boney M. Hits gewesen sein, schlug sie leider fehl.
Auch nach 34 Jahren bleibt dieser Longplayer ein Highlight der Disco-Area der 70er-Jahre und reflektiert den damaligen Erfolg von Boney M. wieder.