Beto Hernandez steht wahrscheinlich immer im Schatten seines zeichnerisch unglaublich begabten Bruders Jaime, was eigentlich schade ist. In diesem Band zeigt er, daß nicht nur seine cartoonhafteren Zeichnungen einen eigenen Reiz haben, sondern er auch eine hervorragende Geschichte zu erzählen weiß.
Nach drei kurzen Fragmenten beginnt mit "Human Diastrophism" ein langer Comic Roman über Leben und Leiden in dem fiktionalen Lateinamerikanischen Dorf Palomar. Die Welt ist hier beileibe nicht in Ordnung; ein Serienmörder treibt sein Unwesen, und aus ungeklärten Gründen hat sich eine Horde von Affen eingenistet. Das Interesse des Lesers haftet aber nicht an diesen Handlungssträngen, die in anderen Büchern die Hauptattraktionen ausmachen würden. Vielmehr schenken wir unsere Aufmerksamkeit den kleinen und großen Schicksalen der Dorfbewohner. Ähnlich wie im Geschichtenzyklus von Jaime Hernandez ist es auch hier schwer den Überblick zu behalten, wer mit wem in was für einer Beziehung steht. Der Comic ist die Mühe, die er macht aber auf jeden Fall wert. Die Charaktere sind zwar in vielen Fällen unsympathisch, wirken aber menschlich und realistisch, so daß Beto Hernandez hier eine zugleich realistische, als auch unwirklich wunderbare Welt erschafft. Großes Lob. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)