Da liegt sie nun wieder einmal auf meinem Tisch, die Nachfolgescheibe des damals hochgelobten Erstlings
This Is Marla Glen. Wer die Dame nicht kennt, kennt sicherlich ihren für die Jeans-Werbung mißbrauchten Hit "Believer", den sie auf ihrem aktuellen Album
Humanology mit dem omnipräsenten Xavier Naidoo allerdings dieses Mal selbst zugrunde richtet. Ich empfehle das kultige und unübertroffene Original dieses Songs.
"Love And Respect" ist ein Album, das ich mir immer dann zu Gemüte führe, wenn meine Stimmung eher unterirdisch, grüblerisch-melancholisch ist und ich dringend einen akustischen Kick brauche, der mich anstößt, aber nicht erschlägt. Und da ist Marla Glen für mich eine von - zugegeben - vielen guten Alternativen. Und ja, Marla Glen muss man unbedingt laut hören!
Gleich vorweg: Wer diese schmutzig-ordinär-geile Stimme (jazzig-soulig-funkig-gospelig) dieser doch sehr maskulin wirkenden Lady mag, kommt mit "Love And Respect" voll auf seine Kosten. Viel Neues gegenüber dem genialen Erstling dröhnt dem geneigten Hörer allerdings nicht ins Ohr. Stellt sich die Frage, ob er das überhaupt will. Bei allen Tracks steht die extravagante Stimme der Zigarillo rauchenden Lady deutlich im Vordergrund. Die zweifellos hervorragend produzierte und arrangierte Musik bleibt hintergründig und entfaltet genau dadurch ihre Wirkung und einen sehr eigenen Charme. Das Album "Love And Respect" ist insgesamt etwas funkiger und flotter als der Erstling. Ein Ohrwurm von der Qualität eines "The Cost Of Freedom" oder "Feet On The Ground" (wie ich finde eine der schönsten Soul-Balladen überhaupt) findet sich auf "Love And Respect" aber nicht. Das hat einerseits den Vorteil, dass das Album insgesamt sehr ausgewogen ist, andererseits hat es den Nachteil, dass die gute Marla sich auch mit diesem Album nicht vom Status des ewigen Geheimtipps befreien konnte.
Marla Glen schreibt sich ihre Songs quasi selbst auf den Leib und bedient sich auch auf ihrem zweiten Album der bewährten Hilfe von Arrangeur und Co-Autor Michel Crosio. Insofern ist diese Scheibe ein schöner Beleg für Beständigkeit nach dem guten, alten Motto "Never Change A Winning Team"! Leider konnte Marla Glen das hohe Niveau von "This Is Marla Glen" und "Love And Respect" auf ihren folgenden Studioalben nicht halten (ganz furchtbar das angeblich von ihr nicht autorisierte
Dangerous). Das bereits erwähnte "Humanology" ist meiner Meinung nach noch eines der besseren Glen'schen Spätwerke. Ihre beiden ersten Alben bleiben jedoch unübertroffen. Anspieltips: "Also Love You", "City Love" und "Other Plans".