Für mich ist Jennifer Lopez zweifelsohne eine der attraktivsten Frauen unserer Zeit. Und obwohl sie mich bisher als Schauspielerin nicht wirklich interessierte, hat sie mich jedoch seit Anbeginn ihrer musikalischen Tätigkeit überzeugt. Ich erinnere mich noch genau an den Jahreswechsel ins neue Jahrtausend, als "Waiting For Tonight" den Silvesterabend feierlich beeinflusste.
Ihre Zeit als "Jenny from the Block" liegt nun aber auch schon eine ganze Weile zurück und ihre letzten Charterfolge damit auch. Mit ihrem Wechsel von Epic zu Island Records und der Veröffentlichung ihres neuen Albums "LOVE?" eröffnet sie nach vier Jahren ein neues Kapitel ihrer musikalischen Karriere.
Nachdem sich J.Lo. mit ihrer ersten Single "On The Floor" feat. "Pitbull" erfolgreich zurückgemeldet hat und europaweit die obersten Ränge der Singlecharts dominierte, legt sie nun ihr siebtes Studioalbum "Love?" vor. Jennifer präsentiert sich hier verführerisch im Modestil der frühen achtziger Jahre. Das mehrseitige Booklet bietet alle Informationen über die jeweiligen Titel.
Der Opener des Albums ist "On The Floor". Dieser Titel ist kein Popsong im Stil von "Let's Get Loud" oder "Love Don`t Cost A Thing", sondern ein houslastiger Dancetrack. Obwohl das Lied nicht den gewohnten "lopez'schen R'n'B" bietet, kann sich der Titel hören lassen. Dominierend der Refrain des Top-Hits "Lambada" von "Kaoma" der 1989 21 Wochen die Nr. 1 der deutschen Charts belegte. Als Bonustrack gibt es das Stück auch in der spanischen Version.
Aber nicht nur die Zusammenarbeit mit Pitbull und RedOne waren für das Album erfolgreich: mit "I'm Into You" feat. LilWayne steht bereits die erste viel versprechende Auskopplung aus dem Longplayer in den Startlöchern. "I'm Into You" ist zwar trendy und geht schnell ins Ohr, aber es wird bestimmt schwer den Erfolg von "On The Floor" zu toppen. Das Highlight des Videoclips der Single ist der Dancebreak zur Musik ihres Songs "Papi", der meines Erachtens zu einem der eingängigsten auf dem Album gehört.
Das Album liefert des Weiteren mit dem Titelsong "(What Is) Love?" und "Inviding My Mind" weitere drumlastige Dancetracks, wobei die beiden letzteren die Eurodancebeats der 90er Jahre unüberhörbar revuepassieren lassen. Mit "Good Hit", "Run The World", "One Love" und "Villain"liefert J.Lo. Klänge in ihrem bereits bekannten R'n'B Stil. Die Songs "Starting Over" und das eingängige "Until It Beats No More" liefern ohne große Computerarrangements die wenigen Titel, bei denen Jennifers Stimme klar und eindeutig zu hören ist.
Die Zeiten haben sich verändert: Mit harmlosen Pop-Nummern à la "If You Had My Love", mit denen J.Lo. zu Beginn ihrer Karriere Ende der 90er-Jahre die Charts stürmte, dürfte sie im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend kaum Erfolg haben. Da muss es schon etwas deftiger zur Sache gehen, elektronischer und atemloser. Das tut es auf "Love?" ausreichend: verzerrte Vocale, hämmernde Bässe und die elektronischen Tüfteleien klingen zwar beginnend überraschend, auf die Länge des Albums gesehen wird es jedoch ab dem zweiten Anhören ein wenig eintönig. Damit wandelt Jennifer auf den Spuren von Lady Gaga und Co. Rein optisch scheint die Künstlerin eh nicht zu altern und musikalisch kann sie es eindeutig noch mit dem jungen Gemüse aufnehmen. Denn Jennifer Lopez hat mit ihrem siebten Studioalbum nichts falsch gemacht und kann sich damit mit ihren Chartkonkurrentinnen wie Rihanna oder Katy Perry messen lassen.