Ich kann mich den vorangehenden Rezensionen nur anschließen. Der Film ist genial, in allen Hinsichten.
Ich habe selten eine solch interessante und zugleich frappierende Erzählweise gesehen. Der Film verblüfft, schockiert und ist komisch, pervers, aber ehrlich. Er zeigt die Dinge zwar nicht so, wie sie tatsächlich sind, denn er ist sehr surreal in der Darstellung, aber der Kern der Aussage ist sehr wahr und deutlich. Die Erzählweise erinnert ein wenig an Tarantino, nicht nur die Dramaturgie, sondern auch der Inszenierungsstil. Und dann ist der Film wiederum überhaupt nicht Tarantino. Der film ist lustig, komisch, peinlich schon fast und dann wieder total ernst und hart in der Wirkung. Love Exposure erscheint kitschig und witzig-trashy, dann aber doch wieder hochkulturell in der Idee der Aussage. Der Film zeigt Liebe und gleichzeitig Hass und Wut, verbindet außerdem Katholizismus und Perversion. Da stellte sich mir am Ende die Frage: Kann es sein, dass es alles sehr nah beieinander liegt? Diese anscheinend unvereinbaren Gegensätze scheinen nicht einfach durch ein Hirngespinzt verbunden sondern durch reale Umstände der Gesellschaft. Das heißt so sehr man diese Dinge vielleicht trennen würde, gehören sie dennoch zusammen. Sono selbst ist der Meinung, Religion sei auch nur eine andere Art der Perversion. Jeder mag darüber denken wie er mag, aber das ist gerade das tolle an solch einem Film: Er beginnt erst mit seinem Ende. Seit ich den Film das erste mal (gestern) sah, kann ich an nichts anderes mehr denken, was nicht nur an der tollen Inszenierung sondern auch an den aufgestellten Denkansetzen liegt. Man bekommt nicht einfach irgendwelche Antworten und Aussagen hingeknallt, der Film will nicht belehren.
4 Stunden sind lang? Das ist immer relativ. In diesem Fall ist es schon fast zu kurz. Sono gab sogar an, der Film dauerte ursprünglich sogar 6 Stunden, habe ihn dann auf 2 hinuntergekürzt, was aber zu kurz war. Letztendlich wurden es 4 Stunden, die keines falls zu viel sind. Ich bin der Meinung, dass keine Minute verzichtbar ist und wollte den Film am gleichen Abend am liebsten nochmals ansehen, ein sehr hoher Wiedersehenswert. Außerdem stört es ganz und gar nicht, dass man 4 Stunden lang die Untertile lesen muss, denn der Film ist sehr lang, aber eben auch sehr kurzweilig. Die Story ändert sich immer wieder so stark, dass sie nie langweilig wird.
(ACHTUNG SPOILER:
Ein Beispiel für die epischen Ausmaße: Der Titel des Film erscheint erst nach ca. einer Stunde xD SPOILER ENDE)
Natürlich ist Love Exposure ein Schlag in die Magengrube des Mainstream-Kinos, also nichts für Fans von "Popkornstreifen".
(ACHTUNG SPOILER: Ich meine, welcher Mainstream-Zuschauer schluckt eine Kastrationsszene in einem (für ihn) vermeindlichen Liebesfilm
SPOILER ENDE).
An Blut spart Sion Sono auch nicht, meiner Meinung nach hätte diser Film auch eine Freigabe ab 18 verdient. Es geht nicht minder blutründstig zu, als in Kill Bill.
Fazit:
In meinen Augen ist Love Exposure einer der Besten Filme, die ich je gesehen habe und PFLICHT für jeden, der Antimainstream verträgt. Nein... das reicht nicht, einfach jeder sollte ihn sehen, Wert ist er es allemal!