--- Inhalt & Kritik ---
Mit seinem aktuellen Album LOVE AFTER WAR distanziert sich Robin Thicke wieder vom Plastik-Pop-Allerlei seines Vorgängers
SEX THERAPY: THE SESSION (2009) und nähert sich den früheren Werken
THE EVOLUTION OF ROBIN THICKE (2006) und
SOMETHING ELSE (2008) an, auf denen er handfesten und gefühlvollen R&B präsentiert. Fernab von Mainstream-Synthies vernimmt man nun wieder Gitarren, Hörner und Pianoklänge, die zusammen einen Klangteppich ergeben, der gut und gerne in den 70ern oder 80ern entstanden sein könnte.
Stimmlich bewegt er sich zunehmend in Richtung Michael Jackson. Wenn man genau hinhört, dürften am Ende des Titeltracks und zum Schluss von PRETTY LIL HEART gesangliche Parallelen zu MJs P.Y.T. bzw. THE LADY IN MY LIFE auffallen. Dass der King of Pop ein Vorbild für den talentierten Singer-Songwriter darstellt, ist wohl nicht zu leugnen.
--- Höhepunkte ---
NEVER GIVE UP: Die kurzweilige Nummer wurde in den USA als Single ausgekoppelt und klingt durch die eingestreuten, orchestralen Elemente von Alondra De La Parras HUAPANGO wie ein Disney-Cartoon aus den 40ern - cool!
THE NEW GENERATION: Gospel goes Pop - der Titel ist eine Ode an die Menschen, die Welt, die Liebe und besitzt zudem einen netten Beat, bei dem sich der eine oder andere Zuhörer rhythmisches Händeklatschen sicherlich nicht verkneifen kann.
LOVE AFTER WAR: Authentisch anmutende Midtempo-Ballade mit einer chilligen Pianomelodie - im Titeltrack und der Leadsingle des Albums beweist der Sänger wieder einmal seinen Sinn für schmalzfreien Charme. Im Hause Thicke müssen ja wirklich die Fetzen fliegen, wenn man den Ausführungen über die Streits mit seiner Frau Paula näher lauscht.
--- Die Präsentation auf CD ---
Weshalb das Album mit einer zweiten CD ausgestattet ist, erscheint aus zwei Gründen fragwürdig. Zum Einen hätten die drei Bonus-Titel auch noch locker Platz auf der eigentlich LP gehabt. Zum Anderen tragen diese Tracks nichts Zusätzliches zum Albumkonzept bei. Mit anderen Worten: Die Bonus-Disc wirkt überflüssig. LOVE AFTER WAR würde viel straffer ohne sie wirken.
Das Booklet im aufklappbaren Posterformat bietet im Übrigen keine Songtexte, sondern nur die Produktionsnotizen auf der einen und das vergrößerte Albumcover auf der anderen Seite.
Alles in allem hätte man bei der Präsentation auf CD mehr herausholen können.
--- Fazit ---
Robin Thicke kehrt mit LOVE AFTER WAR endlich zu seinen Wurzeln des Oldschool-R&B zurück. Plastik-Pop hat er bei seiner außergewöhnlichen Stimme, die Balsam für die Seele ist, bei Weitem nicht nötig. Ansonsten stellt LOVE AFTER WAR den späten und hierzulande immer noch recht geheimen Lichtblick des mauen Musikjahrs 2011 dar.