Sie liebt, will uns die Malerin in diesem Band zeigen. Und lieben tun sich auch die abgebildeten Personen, vermutlich auch die Tiere, die in dem Band auftauchen, zumindest lässt sich, wenn man sich auf die Malerin einlässt, der Zustand Liebe assoziieren, oft aber nur als eine Art Damoklesschwert, das über den "Liebenden" schwebt. Liebeaffäre bedeutet hier demnach eher "unangenehme Angelegenheit". Vergessen wir also die vertrauensvolle Liebe, begreifen wir Liebe als etwas Bedrohliches, wenn nicht gar als Missbrauch eines anderen, dann sind wir mitten in diesem Band. Affäre heißt ja eigentlich auch, dass eine Geschichte erzählt wird. Das geschieht aber in den vorgelegten Gemälden kaum. Meist zeigt die Malerin Ausrisse aus einem unbekannt bleibenden Geschehen. Meist gibt es kein Ambiente, keine Natur, keinen wohnlichen Umraum. Da erscheinen nur Gesichter und Körper vor dunklem Nichts.
Aber was für wunderbare (Frauen-)Gesichter! Mir gefallen diese Acrylporträts sehr: die düstergrellen Farben fesseln. Die Malerin liebt ihre Frauen. Sie werden intensiv, stolz, einfühlsam, selbstbewusst und auch traurig gezeigt. Sie dürfen sich, vereinzelt, unschuldig mit unschuldigen Blumen schmücken, dürfen sogar (ganz selten!) lächeln. Und sie liebt das einzige Mädchen, das sie abbildet, es darf erstaunlich kokett sein - weiß eben noch gar nichts von den Schrecken der (Männer-)Welt.
Es gibt auch "Liebes"paare. Die sehen sich nicht an, spüren sich vielleicht noch, und das mit geschlossenen Augen. Träumen von etwas anderem. Die Frauen haben den Partner dabei meist im Rücken. So brauchen sie ihn nicht anzublicken und können ihn wegdenken, diesen Teufel im Nacken.
Die Porträts von Männern, vor allem die Papstbilder: sie sind Grotesken. Gnadenlose Blitzlichter fallen da auf Seelenhirten, die mit riesengroßen Händen nach kleinen Frauengeschöpfen grapschen wie nach beliebigem Spielzeug. Tröstlich, dass da doch eine Frau wie ein Teufel einem Priester im Nacken sitzt und dass ihre langen Zopftentakel ihn sicher bald erwürgen werden. Aber für jeden Mann wird es böse enden, wie die fleischfressende Pflanzenfrau, von totgiftigen Flugpenissen umschwirrt, demonstriert. Aber sie können ja offenbar nicht anders, die Männer, sie sind von dem Frauenwesen angezogen (Hat die Malerin etwa Mitleid mit den Triebgesteuerten?). Einen beginnt das Wesen nun zu verzehren. Erbarmen!, möchte man rufen.
Jagdbilder komplettieren den Liebesband. Bilder von im Grunde zutraulichen Hunden als Jagdhunden. Deren Liebesaffären mit dem gejagten Wild darf man sich einmal vorstellen, als die Hunde ihre Beute zerreißen. Durchtrieben ist in diesem Zyklus das zweite "Teufel im Nacken"-Bild: der gejagte Fuchs sitzt hinter dem Jäger auf dem Pferd, und der Fuchs verbündet sich mit uns, dem bzw. der Betrachterin, er wirft uns einen verschlagenen Blick zu, der verrät: ich werde mir den Jäger schon schnappen, den Gewalttäter, den Zerstörer, den Töter, den gefühllosen Mann.
In ihrer Gesamtheit erzählen die Bilder des Bandes also doch eine Geschichte, und die ist expressis verbis nachzulesen in "Weit fort", dem Roman der Malerin, in dem sie ihre Vorbehalte gegen Männer, die sich im vorliegenden Band bildhaft ausdrücken, von der Seele geschrieben hat.