Fünf, vier, fünf oder doch eher vier Sterne? Der gedankliche Zickzacklauf entstand nur, da ich mit den beiden Liebesdoktoren in einem wesentlichen Punkt nicht einig gehe und mir das Rollenspiel Lehrer-Schüler manchmal auf den Geist gab. Für den ganzen Sternenhimmel entschied ich mich, weil ich zur flächendeckenden Verbreitung dieses Ratgebers meinen Beitrag leisten will. Außerdem formt ohnehin jeder Student fremde Geschichten so um, dass sie an seine eigenen Erlebnisse andocken können.
Die Kombination der Autorenbiografien verspricht einiges. Psychologie, Theologie, Marketing und Texter – da muss einfach ein lesbares, inhaltlich gut gefülltes und unterhaltsames Buch herauskommen. Erfreulicherweise erscheinen die Studienunterlagen zur Love Academy gleich im Paperback und daher zu einem Preis, den sich alle Weiterbildungswilligen leisten können. Was in diesem Lehrgang in den 10 Semestern alles im Detail behandelt wird, möchte ich weder zusammenfassen, noch verraten. Fest steht aber, dass man zum Schluss weit mehr bekommt als ein Diplom. Wer nicht allzu häufig schwänzt und die Hausaufgaben auch wirklich macht, wird sich besser kennen lernen, mehr über das Phänomen Liebe wissen, von einigen hinderlichen Idealen Abschied nehmen, mehr Spaß am Beobachten haben, Verlieben nicht mehr mit Lieben verwechseln und wohl akzeptieren, dass eine gute Beziehungen nicht gratis zu haben ist.
Die vielen Tests und Übungen in der Love Academy sind zugleich deren Stärke und Schwäche. Sie animieren auf unterhaltsame Weise zur Auseinandersetzung mit sich selbst, vermitteln aber gleichzeitig das trügerische Gefühl, durch Beantwortung kluger Fragen könne man seine eigene Persönlichkeit ergründen. Dass dieser Methode relativ enge Grenzen gesetzt sind, sollten die Autoren wissen. Auch wenn die drei Psychologen, auf die sie sich berufen, zu den ganz Grossen ihrer Zunft gehören. Aber seit Allport, Rogers und Perls gestorben sind, vergingen einige Jahrzehnte, in denen neue Erkenntnisse über unser Unbewusstes und die menschliche Psyche gewonnen wurden. Zwar muten die Liebesprofessoren ihren Studenten die Mitteilung zu, dass es einen Teil in uns gibt, der sich kaum beeinflussen lässt. Aber diese Lektion kommt erst im neunten Semester und wird gleich wieder zur Diskussion gestellt. Schade. Aber vielleicht gibt es ja bald eine Fortsetzung für Fortgeschrittene. Denn zu den wirksameren Rezepten für eine glückliche Beziehung gehört das Loslassen von der Vorstellung, man könne den Partner oder die Partnerin so ändern, dass Illusion und Wirklichkeit einander entsprechen. Schade auch, dass die beiden Autoren dem häufigen Lehrertick erliegen, nur sie wüssten den Weg zum Stein der Weisen. Und so suchen besonders eifrige Studenten vergeblich nach weiteren Übungseinheiten anderer Liebeslehrer. Hier wenigsten ein Tipp: Ute Lauterbach, Liebeserklärungen.
Mein Fazit: Die beiden Autoren wissen nicht nur viel über Liebe, Beziehungen und menschliche Verhaltensmuster, sondern liefern auch unterhaltsames Lehrmaterial, Tests und bewährte Empfehlungen. Im Zweifelsfalle lieber zu humorig als zu ernst. Denn die besten Bücher nützen nichts, wenn sie nicht gelesen werden.