Anders als in einigen Vorankündigungen behauptet, handelt es sich bei diesem Film keineswegs um eine Komödie. Auch nicht um eine Tragikomödie. Der Film wirkt vielmehr wie eine ethnographische Studie. Wie ein Forscher, der sich zu einem Stamm Eingeborener begibt und das dortige Geschehen mit unvoreingenommenem Interesse verfolgt, nimmt der Zuschauer aus der Kameraperspektive an der Handlung Teil. Sicher gibt es einige Momente die man lustig finden kann: ein kleinwüchsiger Pilger, der mit seinem elektrischen Rollstuhl blitzschnell durch die Räume flitzt; eine Marienstatue auf der Wartebank vor dem Bad, die irgendwie störend wird, indem sie Besuchern einen Platz wegnimmt; das frisch aus einem Wasserhahn gezapfte Krüglein heiligen Wassers, das über einen Kopf ausgegossen wird. Aber meist wäre Lachen fehlplatziert, wenn nicht gar schäbig. Es wäre ein Lachen ÜBER die Teilnehmenden und keines MIT ihnen. Auch ist die Hauptprotagonistin, die nahezu vollständig gelähmte MS-Kranke Christine - anders als im Kurztitel geschildert - keineswegs skeptisch dem Wallfahrtort gegenüber eingestellt. Nur verhält sie sich im Gegensatz zu manch anderem Pilger eher still und abwartend.
Komisch ist der Film eher in einem nichtlustigen Sinne. Die Verrichtungen der Wallfahrer wirken seltsam nüchtern. Das Warten vor dem Bad, das Anzünden der Opferkerzen, das Aufsuchen der Höhle in welcher die Erscheinung geschah, die Teilnahme am Gottesdienst vollziehen sich im Ambiente einer seltsam trist anmutenden Ästhetik. Uniforme Sitzgruppen im Speisesaal, die auch durch große quadratische Blümenkübel nicht wirklich aufgelockert werden, die schweren dunkelbraunen Holzvertäfelungen passen zur Monotonie der Fürbitten, in denen auch beherzte und authentische Ansprachen mit einem immer gleichen "Wir bitten dich, erhöre uns!" erwidert werden. Das wird kitschig konterkariert durch die Kirchenanlage im Zuckerbäckerstil à la Sacré Couer, die aber die kühle Professionalität des routinemäßig betriebenen Wallfahrtsortes nicht wirklich aufzuheben vermag. Hinzu kommen die Uniformen des Malteser-Ordens. Männer sehen darin mit ihren Barretten wie Mitglieder eines Wachdienstes aus, die Frauen mit ihren Kopfhauben wie Nonnen. Aber offenbar handelt es sich bei ihnen nicht im strengen Sinn um Ordensleute, sondern zu großen Teilen um ehrenamtliche Laien. Es sind junge Männer und Frauen, die sich in ihrer Freizeit durchaus auch schon mal miteinander vergnügen.
Im Film geschieht das Wunder. Christine kann sich wieder bewegen und beginnt sogar zu laufen. Eine Spontanremission, die medizinisch zumindest ungewöhnlich ist, wenn nicht gar ein echtes Wunder. Für Christine ergeben sich ganz neue Perspektiven. Aber was ist mit den anderen Pilgern? Was mit jener schwer behinderten jungen Frau, die mit ihrer Mutter jedes Jahr nach Lourdes kommt? Was mit dem alten Herrn (ebenfalls im Rollstuhl), der das ganze Jahr über entsetzlich einsam ist? Fast alle haben fester an die Möglichkeit einer Heilung geglaubt als Christine. Erfolgen Heilungen aufgrund einer unerfindlichen göttlichen Lotterie? Der Pfarrer redet sich heraus: "Wichtig ist, dass die Seele heilt und wir Gott näher kommen." Die Wallfahrer geben sich damit zufrieden. Aber wieso sind dann die Rollstuhlfahrer in Lourdes so stark überrepräsentiert? Der Film selbst beantwortet keine Frage. Er stellt sie vielmehr und lässt sie unbeantwortet im Raum stehen. Am Ende weiß der Zuschauer nicht einmal, ob Christines Heilung anhalten wird. Hat ihr Sturz kurz vor dem Abspann etwas zu bedeuten? Lässt sie sich anschließend nur aus Müdigkeit wieder in ihrem Rollstuhl nieder? Und wird sie wieder daraus aufstehen? Es wird abgeblendet und die Fragen bleiben offen.
Der Film ist gleichermaßen für Katholiken, andere Christen, Andersgläubige, Atheisten und nicht zuletzt auch für Agnostiker geeignet. Der österreichischen Regisseurin ist es gelungen einen Film zu machen, der weder Wundergläubige noch Skeptiker in ihrer Auffassung bestätigt, aber beide auch nicht vor den Kopf stößt. Er wertet nicht, sondern zeigt nur. Freilich, die offenen Fragen muss man aushalten können. Ganz nebenbei sei hier am Rande vermerkt, dass kein Katholik dazu verpflichtet ist, an irgendwelche Wunder in Lourdes, Fatima oder anderswo zu glauben - außer dem Grundwunder der Menschwerdung und Auferstehung Jesu Christi (Manfred Lütz). Die österreichische Synchronisation birgt einen gewissen Charme. Der Dialekt ist nicht zu hart, so dass man jedes Wort verstehen kann. Aber die typisch österreichische Eleganz in Satzmelodie und Aussprache dürfte dem französischen Original wohl eher gerecht werden als eine hochdeutsche Variante.