Ein sozialer Western im Frankreich von heute. Hier sind die Netten böse und die Bösen sind Halunken der globalisierten Art.
Die Arbeiterinnen einer französischen Textilfabrik wissen nicht ob sie sich freuen sollen: Der Chef stiftet schicke neue Arbeitskittel. Zur Besänftigung? Trotzdem ein Grund zu feiern. Aber am nächsten Morgen steht plötzlich die ganze Halle leer, das Fabrikequipment ist wohl schon auf dem Containerschiff Richtung Asien unterwegs. Die prollige Frauenarbeitstruppe steht schön doof da. Man trifft sich in der Pizzeria an der Ecke und überlegt beim Bier: Was mit der läppischen Abfindung anfangen? Reichen tuts eh nicht lange. Ne wirklich gute Idee hat keine. Louise, hässlich, grobschlächtig und sozial total verklemmt macht plötzlich einen Vorschlag: "Das reicht für `nen Profi - lasst uns den Boss abknallen!"
Okay....gebongt. Wo treibt man jetzt aber einen Killer auf?
Michel ein paranoider Wachmann vom Wohnwagenplatz, wird angeheuert. Wie professionell und sensibel der Waffenliebhaber ist, wird sich im Laufe des Filmes zeigen. Zitat Michel: "Wenns Euch nicht passt, legt euern Chef doch selber um. Mir reicht`s ich bin doch nicht Robocop."
Und WO, bzw. WER oder WAS ist überhaupt der Boss?
Hier spricht man schon eine verrückte Sprache, rau und ohne Schnörkel, so wie die Darsteller selbst auch durch die Bank wirken. Leichen pflastern bald den Weg auf der Suche nach dem Fabrikchef. Nebenbei wird auch eine seltsam anrührende Geschichte erzählt. Wer sich hinter den Protagonisten verbirgt und wie sie am Ende gar die genitalen Identitäten tauschen, ist ganz unbetont und dezent in den Film hinein gewoben.
Und so wie auch Louise selbst ihren eigenen, ganz speziellen Charme hat (Yolande Moreau ist ein echter Volltreffer), hat ihn auch der Film an sich. Französisch ist "Louise", ja klar, das sieht man an jeder Einstellung und urfranzösische Schauspieler sind es auch allesamt, ansonsten könnte man fast glauben, man wäre in einem Film der Coen-Brüder gelandet.
Man könnte es sich grob so vorstellen: Louis De Funes spielt unter den Coens und darf dabei nie Hektik verbreiten, eine winzige Prise "Leon der Profi" dazu, ein paar Hand voll Anarcho, etwas ArbeiterInnen Kampf und alles schön satt in schwarze Tinte getaucht... - fertig ist die Louise.
ALSO: Die Jagd auf den Boss und wie man dem globalisierten Kapitalismus mit knalliger Schräge begegnet. Wie stand es im Flyer?: "Die schärfste Antwort auf die Finanzkrise. Sehr schwarz und sehr böse." Das Thema des Wirtschaftsliberalismus wird tatsächlich sehr anarchisch dran genommen. Louise, der Film, ist echt brutal, knochentrocken, tabulos, wahnsinnig komisch, ebenso auch seltsam zärtlich und durchaus angemessen politisch korrekt. Zumindest für mich ;-) Ilegale Einwanderer, Krebspatienten und Alte werden nicht nur zur Zielscheibe sondern zu Mitakteuren. Jede Peinlichkeits- oder Geschmacksgrenze wird überschritten. Versprochen! Ich hab mich jedenfalls nicht nur prächtig amüsiert und schlapp gelacht sondern auch mein Quäntchen galligen Magenbitter bekommen. Das brauch ich ab und zu, nach zu viel Süßem.
VORSICHT! Das Lachen könnte empfindlichen Gemütern aber auch ganz furchtbar im Halse stecken bleiben!
Eine ausgesprochene STANDART DVD. Für diesen gesalzenen Preis von (im Feb/10) 18,00 Euro wird etwas wenig geboten: Sprachen: Deutsch (DD 5.1) und Französisch (DD 5.1) Untertitel: Deutsch
Extras: Outtakes (16 min, OHNE Untertitel), Bildergalerie,Trailershow :-(