John Andrews ist Loudboy, ein Pseudonym, das Page Hamilton (Helmet) ihm nach kurzer Zusammenarbeit hinterließ. Andrews - langjähriger Gitarrist der New Yorker Independent-Rock-Institution Botanica - hat einiges zu erzählen auf seinem Debütalbum. Dass Nena und ex-Bauhaus-Sänger Peter Murphy hier als Backgroundsänger auftreten, ist nicht das einzige Ungewöhnliche daran.
Doch zuerst: Ein Raum. Hier findet es statt. Jemand zählt an. Eine satte, angezerrte Gitarre rutscht in ein knochig rumpelndes Blues-Schema mit breitem Pop-Refrain und drahtigem Gitarrensolo, als wäre Clapton erst 19 und Harrison nicht tot. Gerade und schnörkellos bewegt sich Andrews' Gesang an der ausgetüftelten Harmonieführung entlang wie ein voll aufgedrehter, elektrischer Elliott Smith.
Sein stilistisches Spektrum als Gitarrist, gepaart mit großem Einfühlungs-vermögen und ordentlich Chops, ist definitiv nicht alltäglich. Die Band ist sehr beisammen, besteht aus Musikern, denen die langjährige Erfahrung nicht den Appetit verdorben hat.
-Welcome to my story / I have some things to tell / about waking up and dreaming still / sometimes I just can't tell.- (-rabbit & turtle take the city -)
So beginnt der programmatische Opener einer dynamisch heterogenen, schlüssigen Rockplatte, die von Suche und Selbstfindung in Zeiten der Kernschmelze erzählt. Hallo! Hier ist die Gegenwart.
Erlebnisse, Befindlichkeiten, emotionale Optionen. Spirituelle Ahnungen und -Nahwahnerfahrungen-. Irritation, Selbstentfremdung, Verlust, Trost und Hoffnung. Wühlender Bass, hämmerndes Schlagzeug, lange gedeckelte Emotionen, frei gesetzt in traumartigen Bildern. 13 Songs, geschrieben um zu überleben. Offenes Visier, nicht Nabelschau. Einladung statt Egotrip.
-In & out and in & out / my mind is burning up with doubt / (…) / I'm blind to see that I can't control my reality.- (-in & out-)
-wonderful- entwirft ein Endzeit-Szenario in physischen Bildern unweit W.S. Burroughs, während das schüttere -underhill- sachte mit indisch Anmutendem spielt, um schließlich eine große Rockballade zu werden.
-pretty bleak- ist angeschlagen, schleppend, ein düsteres Funkeln, veredelt durch die sinistre zweite Stimme Peter Murphys für den Andrews seit 2009 spielt. Nena, deren unverkennbares Timbre leise durch das zarte -hiding- weht wie ein Kinderlied, holte Andrews 2006 in ihre Band. Große Namen, die geben, was sie haben statt sich prominent zu gebärden. Freunde.
P.S.: -We made some contact the way we're feeling / and today I feel a little more / 'cause the space inside me is filled with a love / that I can't contain anymore.- (-rabbit & turtle take the city -)
(Rolf Jäger)