BERLIN ist für mich nicht nur das beste Album von Lou Reed, sondern seit über 30 Jahren eine meiner Lieblingsplatten überhaupt, - eine der berühmten '10 Platten für die Insel'. Vom genialen Bob Ezrin meisterhaft produziert, würde ich mich nicht scheuen, sie als Meisterwerk zu bezeichnen. Auf dem ebenfalls 1973 erschienenen Live Album '"Rock'''n Roll Animal"' gibt es zwar bereits von drei Berlin-Stücken Live Interpretationen, (die durchaus anhörbar sind) aber nun wurde das Gesamtwerk '"Berlin"' erstmals vollständig live aufgeführt, nur - SO hätte man sich es sparen können. Die Band macht Ihre Sache ordentlich, aber schon der Teenagerchor wackelt wie ein Lämmerschwanz. Die Gastmusiker, die dem orchestralen, bzw. BigBandcharakter auf die Sprünge helfen sollen, wirken unprobiert und unmotiviert (fand die Aufzeichnung womöglich am 1. Abend statt?) und der im Gegensatz dazu etwas überambitioniert herumhampelnde Dirigent dagegen etwas lächerlich. Es ist schon komisch, bei Film und Malerei wird des öfteren von irgendwelchen Jugendsünden gesprochen, bei Rockmusikern häufen sich in den letzten Jahren die '"Alterssünden"' und die sind um ein Vielfaches schlimmer! Plötzlich treten sie (gerne mit Orchester) in irgendwelchen Philharmonien auf, und wollen der Nachwelt kurz vor ihrem Abgang noch was 'Epochales' hinterlassen. Meistens geht''s schief. Lou Red ist zwar nie ein großartiger Sänger gewesen, aber seine Interpretation war immer ausgesprochen eigen und originell. Hier ist er einfach nur grottenschlecht. Weder tonal noch rhythmisch trifft er die Töne, - nicht mal als Sprechgesang würde ich das durchgehen lassen. Was war los? Hat er'''s verlernt? War ihm mal wieder alles egal? Schlechtes Monitoring/Taubheit? Oder wollte er mit Gewalt jede Note anders interpretieren als in den 70ern? Keine Ahnung. Das Ergebnis liegt jedenfalls irgendwo zwischen Unfähigkeit und Lustlosigkeit. Später auch mal gelegentlich sentimental, was ebenfalls weh tut. Schon die Tatsache, dass er im Trailer nicht eine Sekunde zu sehen ist, sollte einem zu denken geben! Seine Gitarre ist die meiste Zeit nur Staffage, (damit er was zum Festhalten hat) - eher peinlich. Übrig bleibt ein Konzertdokument, das die Welt nicht braucht. Bonusmaterial - Fehlanzeige. Bei den vollmundigen Worten auf dem Cover , wundert man sich erst noch über das Fehlen eines "'Making of"', - aber nachdem das ganze Konzert wirkt, als wäre es kurzfristig und halbherzig vorbereitet worden, erwartet man das natürlich nicht mehr. Den einzigen Stern bekommt ein mir bis dato unbekannter Antony, der meistens als Backgroundsänger fungiert, aber bei der Zugabe '"Candy says"' etwas ins Rampenlicht tritt, und eine der eigenwilligsten und anrührendsten Gesangseinlagen abliefert, die ich seit Jahren gehört habe. Ansonsten: Lieber das Originalalbum anhören! Immer und immer wieder''....