Eine Rezension als Mann zu einem Buch über den weiblichen Qigong-Weg zu schreiben, wird nur einem Teil des Inhaltes entsprechen können. Dennoch wage ich es. Noch habe ich das Buch nicht 'richtig' lesen können, dafür brauche ich mehr Zeit, und ich werde es sicher nicht nur einmal wieder lesen. Drei Punkte gefallen mir schon jetzt besonders: (1.) Der weibliche Qigong-Weg ist hier kein abgesonderter Weg, sondern ich werde als Mann auch zur Teilnahme ermutigt. Nun widmet sich das Buch in weiten Teilen den Frauenorganen, und den Grundansatz des Buches bildet die Qi-Arbeit mittels Vorstellung und Konzentration, dabei auch auf Meridiane, Punkte und die Organe selbst. In der hebräischen Bibel werden die weiblichen Eigenschaften Gottes, sein Mitgefühl, auch mit seinen 'Eingeweiden' zum Ausdruck gebracht, wobei gerade die weiblichen Eingeweide in dem doch zumindest vordergründig männlich dominierten Gottesbild anklingen. Darin zeigt sich, was in dem Buch als die innere Frau bezeichnet wird, die in jedem Mann vorhanden ist. Ich kann also auch als Mann meine Eingeweide ansprechen, obwohl ich dort aus anderen Organen bestehe. (2.) Weiche, fließende Bewegungen gehören ebenfalls zu diesem weiblichen Anteil, durch das Buch ist mir bereits verständlicher geworden, was Swimming Body Bagua bereit hält. (3.) In diesem Zusammenhang gefällt mir auch die Spiritualität des Lotusblüten-Qigong, die in der auf dem Lotus sitzenden Göttin Kannon ein Leitbild anbietet, mit dem sich einerseits die Autorin wirklich identifiziert, und das andererseits als Leitbild der Liebe zu den Mitmenschen meiner Meinung nach nicht auf eine bestimmte religiöse Bindung begrenzt bleibt, wie es auch ausdrücklich im Buch konzipiert ist. Die Lotusblüte bleibt im ganzen Buch nicht ein Bild neben anderen oder oberflächlich, die Autorin hat ein Qigong entwickelt, das im Lotus den alles durchdringenden und verbindenden Visualisierungspunkt findet. Da ich positive Entsprechungen zwischen der jeden Menschen annehmenden Kannon und dem Jesus-Weg wahrnehme, fällt mir hier besonders positiv auf, dass keine Frau (und auch kein Mann) in ein Modell gepresst wird, Qigong wird hier zu einem Teil meines Lebens, nicht zu etwas, dem ich entsprechen muss. Heinrich Zimmer sah im 'Lotushaltenden' Padmapani den künstlerischen Ausdruck einer Zwischenstufe in der bildlichen Entwicklung des männlichen Bodhisattva Avalokiteshvara hin zur weiblichen Kannon, so kann auch ich meinen Lotus-Weg finden. Das Buch bietet sicher vielen LehrerInnen für Qigong, Yoga oder auch Kampfkünsten wertvolle Hilfen und weiterführende Ansichten, und es bietet nun durch seine bei aller Persönlichkeit intensiven Fachkompetenz ein lange schon notwendiges Werk. Vor allem aber empfehle ich es allen Interessierten.