Gabriella von Arx schreibt sehr berührend, ohne jemals ins Rührselige abzugleiten. Auf subtile Weise lässt sie den Lesern die Wahl, wie tief sie eintauchen möchten und verschont sie mit allzu stark aufgetragener eigener Meinung. Der Aufbau des Buchs mit dem Vorspann, in dem der E-Mail Austausch zwischen Lotti Latrous und Gabriella von Arx im Vorfeld zu dem gemeinsamen Buchprojekt abgedruckt ist; dem Mittelteil mit den tagebuchähnlichen Aufzeichnungen und dem Abspann ist überzeugend und bietet eine gute Leserführung.
Die Einfachheit der Sprache ist keineswegs störend, im Gegenteil. Sie unterstreicht die Einfachheit des Lebens von Lotti Latrous und die Bescheidenheit, mit der sie für andere da ist.
Das Buch wirkt jedoch in erster Linie und vor allem durch seinen Inhalt und die Schilderung des Lebens einer Frau, die sich zur Hilfe an ihren Mitmenschen berufen fühlt und keine Mühen scheut, ihre Berufung in Taten umzusetzen. Eine authentische Geschichte über Aids und seine Problematik in Afrika, über Missstände und politische Unzulänglichkeiten, über Angst, Trauer und Wut. Aber auch ein Hoffnungsschimmer für das Sterben in Würde, für Freundschaft und Liebe. Die ganz grossen Gefühle finden in diesem wunderbaren und bewegenden Buch ihren Ausdruck. Es müsste mehr Lotti Latrous auf dieser Welt geben... Herzlichen Glückwunsch an die mutige Autorin für dieses Buch, das Frauen wie Lotti bekannter macht!