Der Grenzbereich zwischen Deutschland und dem Frankreich war für die Bewohner schon immer eine Passage. Der kleine Grenzverkehr gehörte zum Tagesgeschäft. War Lothringen bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine von Industrie geprägte Gegend, so legt man heute verstärkt Wert auf deren touristische Erschließung. Lothringen, französisch Lorraine, birgt einen unsagbar großen Schatz an Kulturgütern in sich.
Der Hauptort Metz ist sicherlich die bekannteste Stadt der vier Départements umfassenden Lorraine. Besonders reizvoll erscheint die Stadt mit dem gar nicht so französischen Namen bei Einbruch der Dunkelheit, wenn die Straßenbeleuchtung eingeschaltet wird. Nicht umsonst wurde Metz der Titel 'Stadt der Lichter' verliehen. Zentraler Anlaufpunkt ist die Kathedrale Saint-Étienne aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Ihre Kirchenfenster wurden unter anderem von Marc Chagall gestaltet. Ein Plan welcher Künstler welches Fenster schuf, ist am Eingang der Kathedrale zu sehen.
Weniger bekannt, aber deswegen nicht weniger besichtigungswert, ist Nancy. Der Place Stanislas im Stadtzentrum ist der Ausgangspunkt für jegliche Erkundungen der Stadt und ihrer Umgebung. Prunkvolle Tore an den vier Ecken zeugen vom einstmals großen Reichtum der Stadt.
Epinal im Süden, und Hauptstadt des Departements Vosges ist die Hauptstadt des Schablonenschnitts. Überall wird an die lange Tradition dieses Handwerks erinnert.
Klaus Bernarding schafft es mit enormem Wissen diese Region dem Besucher bis ins kleinste Detail vorzustellen. Umfassend führt er den Leser in die Geschichte der Stadt oder einer Region ein. Der Geschichtsabriss erlaubt es dem Touristen sich sicher durch unbekanntes Terrain zu bewegen. Anekdoten lockern die Texte auf, so dass man nicht als 'Fachidiot' von Kirche zu Kirche oder von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt wie ein getriebenes Tier hetzt.
21 Tagesausflüge hat der Autor in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. So wird es in keiner Minute, die man in der Lorraine verbringt langweilig. Bernarding lässt große Namen wie den Dichter Paul Verlaine zu Wort kommen. Bei seinen Ausführungen verlässt er sich nicht auf die Schilderungen anderer Reiseführer. Klaus Bernarding hat jeden Ort, den er beschreibt selbst besucht. Somit entstand ein großartiger Helfer, der die Lorraine zu einem Freund werden lässt, den man bis ins Mark zu kennen scheint. Trotzdem hält der Freund noch so manche Überraschung parat.