Brites Roman ist, wie der Titel schon treffend suggeriert, ein Sammelsurium für verlorene Seelen und handelt dementsprechend von der Verlorenheit der Protagonisten in der Welt und deren Suche nach einem konkreten Sinn im Leben.
Brite, die nicht zuletzt durch ihre blutrünstigen Werke Aufsehen erregte, hält sich auch in diesem Roman nicht zurück und und arbeitet abstoßende Thematik in ihr Buch ein. Themen wie Pädophilie, Inzest, Vergewaltigung und explizite Gewaltdarstellung werden direkt dargestellt.
Wird man davon abgeschreckt, sollte man das Buch besser gar nicht erst lesen.
Letztlich ist die unverblümte Art der Autorin aber auch mal etwas anderes und diese Direktheit und Schamlosigkeit ist nicht häufig anzutreffen.
Insgesamt benutzt Brite auch einen schönen, poetischen Schreibstil, der auch durch gelegentliche Fäkalsprache nicht getrübt wird.
Die Darstellung der Charaktere ist durchaus gelungen, erfordert jedoch teilweise Toleranz, da Brites Figuren recht ungewöhnlich sind. Leider ist die Darstellung von Molochai und Twig etwas platt und Arkady ist ein klischeebehafteter Charakter.
Brites Thematik mag etwas altbacken sein, doch die interessanten Charaktere und der erfrischende Schreibstil machen das wieder wett. Die mordenden Vampire hasst und liebt man zugleich. Wir leiden mit ihnen, wir frieren mit ihnen vor Verlorenheit. Auch wenn man sie manchmal töten könnte verkörpern die Charaktere in diesem Roman etwas, nachdem auch wir uns sehnen: Freiheit, Fernsein von den Zwängen der Gesellschaft, den gewöhnlichen Dingen und dem Leben entfliehen.
Meine etwas negative Wertung resultiert daraus, dass >>Lost Souls<< zum Teil reine Geschmackssache ist und mir persönlich einige Aspekte nicht gefallen haben.
So dreht sich hauptsächlich alles um die Entwicklung der Charaktere und deren Beziehung untereinander, wodurch der eigentliche Handlungsablauf zu einem Anhängsel verkommt.
Im Grunde genommen hätte die Autorin das Buch auch schreiben können, ohne Vampire einzuarbeiten, denn dadurch wäre ihr Werk nahezu unverändert geblieben und die Realitätsnähe wäre erhöht worden.
Die Gemüter werden sich allerdings eher daran scheiden,dass die Welt laut >>Lost Souls<< nur aus bisexuellen und pubertierenden Gothic-Anhängern besteht.
Schließlich ist es auch diese unglaubwürdige Sache, welche verhindert, dass >>Lost Souls<< ein gutes Buch ist.
Aufgrund der ungewöhnlichen Elemente sollte man sich also genau überlegen, ob >>Lost Souls<< es wert ist, gelesen zu werden.