SPOILER
Als glühender Lost-Fan konnte ich die sechste Staffel kaum erwarten. Der Anfang war verheißungsvoll; eine Parallelwelt tat sich auf, in der neben Friede-Freude-Eierkuchen (John und Linus in trauter Zweisamkeit als Lehrerkollegen) zumindest anfangs auch düstere Elemente vorkamen (Desmond fährt John Locke an). Dann verwirrte sich die Insel-Handlung mit Tempeln, Küstenhöhlen und unterirdischen Flussläufen sowie in der Vergangenheit (sehr vergangen: Jacobs Geburt, und längst nicht so vergangen wie von mir erwartet: Ricardos Herkunft). Es taten sich mehr neue Fragen auf als alte beantwortet wurden, aber ehrlich gesagt, hat mich das nicht gestört, denn solange ich gut unterhalten werde, sehe ich schon mal über Erklärungslücken hinweg.
Was mir aber das Kraut ausgeschöpft hat, war das Ende: Das Ende eines Textes oder Films ist zentral für die nachträgliche Sinnstiftung der ganzen vorangegangenen Handlung, und daher war ich gespannt wie ein Flitzebogen auf das Ende dieser einfallsreichen und unkonventionellen Serie. Wie gesagt - ich habe nicht erwartet, dass alles und jedes aus 6 Staffeln erklärt wird. Aber dass das Ende einzig und allein eine Wohlfühlveranstaltung für den Abschied von Jack aus seinem Leben wird, hat mich schier vom Hocker gehauen - vor Entsetzen und Enttäuschung über die biedere Banalisierung dieser doch so außergewöhnlichen Serie!
Die schwulsttriefende Glückseligkeit aller Beteiligten, in der jedes Töpfchen noch sein Deckelchen findet, bevor der gute Jack (mit oder ohne Freunde, man weiß es nicht) in die ewigen Jagdgründe eingeht, wirkte auf mich reaktionär, pseudo-religiös und die Konventionen anbiedernd. Dass Sawyer über 2 Staffeln hinweg domestiziert und Kate streckenweise die Übermutter wurde, hätte mich schon vorwarnen müssen auf ein Ende, in dem konservative Werte zelebriert werden und Engel Desmond und Inselheiliger Hurley ihren Freunden zum ewigen Glück verhelfen. Dass dann doch noch Menschen auf der Insel sind und andere die Insel mit dem Flieger verlassen, hat mir das schale Gefühl des biederen Endes nicht nehmen können - ist aber ein netter Anlass, sollten die Macher von Lost doch noch einen Kinofilm machen wollen.
2 Sterne. Schade!!!!!