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Lost In Translation
 
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Lost In Translation

Scarlett Johansson , Giovanni Ribisi , Sofia Coppola    Blu-ray
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (234 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Darsteller: Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, Bill Murray, Anna Faris
  • Regisseur(e): Sofia Coppola
  • Format: PAL, Widescreen, Farbe
  • Sprache: Englisch, Italienisch
  • Untertitel: Italienisch
  • Region: Region B/2
  • Anzahl Disks: 1
  • BBFC: Ohne Altersbeschränkung
  • Studio: Dolmen Home Video
  • Produktionsjahr: 2003
  • Spieldauer: 102 Minuten
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (234 Kundenrezensionen)
  • ASIN: B004WUBRUQ
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 136.616 in Filme & TV (Siehe Top 100 in Filme & TV)

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191 von 208 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Woodstock
Format:DVD
Ob Ihnen der Film ebenso gut gefallen wird wie mir?
Schwer zu sagen, denn immerhin spaltet dieses schräge Werk von Sofia Coppola selbst die klügsten Geister und die kultiviertesten Geschmäcker in zwei Fraktionen. Ich wage aber zu sagen, unter welchen Umständen Ihnen dieser Film nicht gefallen wird:
Sollten Sie rasanten Action- und Splatterfilmen zugeneigt sein oder auf trivialen Slapstick-Klamauk Marke Jim Carey stehen, lassen Sie die Finger von dem Film. Wenn Sie elaborierte Dialoge einer schrillen Bildgewalt vorziehen, lassen Sie die Finger von dem Film. Wenn Sie Wert auf knifflige, thrillermäßige Handlungsabläufe legen, oder wenn Sie sich Spannung zum Fingernägel Abkauen wünschen, dann lassen Sie bitte erst recht die Finger von diesem Film, denn das alles hat er nicht zu bieten.

Und gerade deshalb ist es ein 5 Sterne-Film:
(K)eine Handlung: Die beiden Amerikaner Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson) müssen einige Zeit in Tokio verbringen. Wegen Jetlag und fremdartiger Kultur tun sie sich schwer in dieser schrillen Großstadt, die vor Leben überbordet. Sie sind wie zwei Gestrandete auf einem fremden Planeten, verlorene und paralysierte Seelen, die sich an der Hotelbar finden und Freundschaft knüpfen, eine Freundschaft die weit über das normale Maß hinausgeht und doch nicht zu einer banalen Liebesgeschichte herabsinkt.

(K)eine Liebesgeschichte: Feinfühlig und sensibel und ohne großartige Dialoge nähern sich zwei verwandten Seelen einander an. Sie sind sich näher als ihren Ehepartnern und überschreiten doch nie die Grenze zum Sex. Es bleibt bei Blicken, keuschen Berührungen und einem letzten Kuss und dennoch hat man das Gefühl an einer wunderbaren Liebe teilzuhaben.

(K)eine Komödie: Der Film steckt voller Melancholie und tiefsinniger Gedanken über das Leben, die Liebe und die Vergänglichkeit eingebettet in gefühlvoll berührende und zum Teil skurrile Szenen und doch finden sich in jeder Szene unglaublich viel geistreicher Witz und Komik. Der Crash der Kulturen und die sehr zutreffenden gezeigten Verlorenheit hinter der Sprachbarriere sind ebenso Anlass zu herzhaften Lachern wie die subtilen Anspielungen auf Banalitäten des Alltages und die allzu menschlichen Macken. Da ist z.B. das nächtliche Fax von Bobs Ehefrau, die Teppichmuster die sie per Post übermittelt oder gar das exaltierte Filmsternchen Kelly das einem zum Kopfschütteln und Schmunzeln bringt. Ganz zu Schweigen von den überspannten Filmaufnahmen zur lächerlichen Whiskeywerbung oder von der unerschütterlichen Freundlichkeit der Japaner, ja sogar der Besuch im Krankenhaus wird zu einem herrlich witzigen Erlebnis.

Sofia Coppola ist eine Meisterin der Bildersprache. Das beweist sie in diesem, ihrem zweiten Film, wo sie es schafft mit knappen aber sehr scharfsinnigen Dialogen auszukommen und Gefühle mit Hilfe von eindringlichen und überwältigenden Bildern zu transportieren: Da bestaunt man bei wundervollen Musiksequenzen das knallbunte Tokio, die amerikanische Enklave im Park-Hyatt-Hotel, das bizarre Nachtleben der nimmermüden Großstadt und an allen Ecken und Enden eine Kultur, die uns - und natürlich besonders den hier köstlich verspotteten Amerikanern - so fremdartig ist als wären die Japaner Aliens von Alpha Centauri. Das bringt den Zuschauer zum Lachen und Nachdenken, das bringt das träge westliche Gehirn in Fahrt.
Doch trotz allem wäre dieser Film nur halb so genial, wenn da nicht Bill Murray und Scarlett Johansson wären. Der Alt-Star und die unverbrauchte Jungschauspielerin ergänzen sich perfekt, als wären sie nur für diese Rollen geschaffen. Murray ist einfach genial. Unaufdringlich und subtil lässt er die unscheinbare Charlotte neben sich bestehen und doch ist er zu jedem Augenblick Herr dieses Films. Wer Murray auf dem Höhepunkt seiner Kunst erleben will, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Zusammenfassung:
Ich weiß, ich habe nun vermutlich die 180. Rezension zu diesem Film geschrieben, und ich bin Ihnen gar nicht böse, wenn Sie meine ausgiebigen Lobesreden nicht lesen wollen. Darum hier eine kurze und schmerzlose Zusammenfassung.
Dieser leise, warmherzige und ausgesprochen geistreiche Film hat 5 Sterne verdient. Und weil es nicht gerade von guter Erziehung oder großem Verstand zeugt wenn man Rezensionen, die eine andere Auffassung vertreten mit Nein abklickt, musste ich leider selbst eine Rezension schreiben und diese auch noch begründen um den Sternendruchschnitt auf einen der Größe des Filmes angemessenen Level zu halten.
Danke für ihr Verständnis. ;-)

DVD:
Bildformat: 1,85:1 in 16:9, Sprache: Deutsch und Englisch Dolby Digital 5.1, Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, DVD 9, Laufzeit ca. 97 Minuten plus ca. 77 Minuten Extras, Menü teilweise animiert mit Ton,
Extras: Darstellerinfos als Textseiten, Blick hinter die Kulissen mit deutschen Untertiteln (ca. 5 Min), Deleted Scenes (ca. 12 Min), Ein Gespräch mit Sofia Coppola und Bill Murray mit deutschen Untertiteln (ca. 10 Min), Making of mit deutschen Untertiteln, Mathew's Best Hits in japanischer und englischer Sprache (ca 4,5 Min), Interview mit deutschen Untertiteln (ca. 14 Min.)
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Es fühlt sich so real an 12. August 2011
Format:DVD
"Das wird hart", sagt Bob, bevor er in der Karaoke-Bar Roxy Music's "More Than This" anstimmt. Er schaut zu Charlotte. Sie erwidert kurz seinen Blick, lächelt, scheint zu verstehen. Dass dieser Satz sich nicht nur auf die Intonation bezieht (die zwar nicht trivial ist, wie sich zeigt, aber wir haben Bob vorher schon recht anständig singen hören). Nein, das Lied scheint auszudrücken, in welcher Situation sich Charlotte und Bob befinden. Sie wissen nicht, wie es weitergehen kann - aber sie spüren, dass es nicht mehr viel besser werden wird.
Diese intensive Nacht des gemeinsamen Um-die-Häuser-ziehens erfährt eine kurze Zäsur, als beiden der Trubel des Tokioter Nachtlebens endgültig zuviel geworden ist. Auf dem Gang vor dem Karaokeraum, einem der unwahrscheinlichsten Orte um zu sich zu kommen, setzt sich Bob neben Charlotte, zieht an ihrer Zigarette, während sie den Kopf auf seine Schulter sinken lässt. Jedes Wort wäre jetzt zuviel.
Später wird Bob die schlafende Charlotte auf ihr Zimmer tragen, wird sie behutsam zudecken, sie wird kurz erwachen, um ihn anzulächeln und endgültig einzuschlafen. Sein Zögern beim Zuziehen ihrer Zimmertür benötigt keine Worte.

Drei fast sprachlose Momente aus diesem wunderbar atmosphärischen Film, die schon belegen, dass Sofia Coppola weiß, was sie will, und es auch umsetzen kann: Nämlich uns keine Geschichte erzählen, sondern sie uns fühlen und selbst erleben lassen. So soll Film sein. Eine dichte Atmosphäre schaffen, in die sich der Zuschauer mit seinen eigenen Gefühlen, Erfahrungen und Werten einbringen kann. Nicht das Was zählt, nur das Wie. Und in diesem kleinen Wunder gibt es fast nur das Wie.

Beide hat die Isolation in der für sie fremden Welt Tokios, die nur eine Steigerung des Gefühls der Isoliertheit in ihrem Alltag darstellt, zueinander geführt. Ein Blick im Fahrstuhl erst nur, mit einem reflex-artigen Lächeln erwidert, dann ein "Hallo" an der Hotelbar, als beide - nicht nur wegen des Jet-Lags - nicht schlafen können (während Charlottes Ehemann, dem die fremde Umgebung in seiner Geschäftigkeit nichts auszumachen scheint, schnarcht). Alles ganz normal. Doch dann passiert etwas Kostbares: Sie haben nicht nur jemanden gefunden, der endlich in ihrer Muttersprache mit ihnen spricht, sondern jemanden, der überhaupt mit ihnen spricht statt Smalltalk zu betreiben. Jemanden der zuhören kann. Der versteht.

Beide befinden sich in schwierigen Phasen ihres Lebens: Charlotte, Mitte 20, hat grade ihr Philosophiestudium in Yale abgeschlossen und sieht sich nun, noch völlig unentschlossen in der Berufswahl, an der Seite ihres Mannes einem Leben ausgeliefert, das sie für oberflächlich hält und das ihr keine Perspektiven bietet. Sie sucht Geborgenheit, Halt und Orientierung.

Bob, mindestens drei Jahrzehnte älter, steht eigentlich schon im Leben, sollte man meinen. Zumindest war das mal so sehr der Fall, dass er nun als ehemaliger Filmstar für zwei Millionen Dollar Whisky-Werbespots in Japan dreht. Aber genau das ist sein Problem. Er würde viel lieber zuhause für eine bescheidene Gage Theater spielen. Stattdessen muss er in der Fremde schuften, damit seine Frau daheim das zusätzliche Geld für ein neues Haus ausgeben kann. Der einzige Kontakt in die Heimat ist logistischer Natur: Da hat er lediglich Schränke und Teppichmuster auszuwählen, die per Fax und FedEx geschickt werden. Dabei hat Bob mehrere Kinder. "Es geht ihnen gut. Sie vermissen Dich, aber sie gewöhnen sich daran, dass Du nie da bist", lässt seine Frau ihn wissen. Bob aber möchte gebraucht werden. Und zwar nicht nur für die Werbung von Suntori-Whisky.
"Die gute Nachricht ist: Der Whisky wirkt", schließt er sarkastisch, und fragt dann Charlotte, die ganz perplex ob seiner offen eingestandenen Probleme ist, was sie mache: "Ich habe mich noch nicht entschieden".

Wie lang er verheiratet sei, will sie wissen. "25 Jahre". Etwa so lang wie sie alt ist und eine Ewigkeit gegen ihre 2 Jahre. Aber davon könne man 1/3 Schlaf abziehen, also wäre er grade 16 Jahre verheiratet, da wäre man ehemäßig also noch ein Teenager, könne zwar schon fahren, aber es könne noch leicht zu Unfällen kommen. Eine charmante Art, beim ersten Flirt mit einer offenbar nicht abgeneigten attraktiven jungen Frau, die einen an der Hotelbar angesprochen hat, einen Seitensprung zumindest als Option anzudeuten. Doch der Flirt und dann immer stärker das Gespräch genießen ganz offenbar bei beiden höhere Priorität. Und wer einmal selbst aus beruflichen Gründen dieses Hotelleben geführt hat, die tristen Abende vor dem Fernseher kennt, die einsamen Essen im vollbesetzten Restaurant, die oberflächliche Höflichkeit der Hotelangestellten, der kann verstehen, was eine solche echte Begegnung mitten in der Einöde bedeuten kann.

Die beiden sind nicht auf ein sexuelles Abenteuer aus, auch wenn die Option stets im Raum schwebt. Sie versuchen lediglich ihr Leben im Griff zu behalten bzw. in den Griff zu kriegen. Dazu müssen sie raus aus dem oberflächlichen Trubel, der sie vom Wesentlichen, von sich selbst und voneinander, abzuhalten scheint.

"Wissen Sie was?" sagt Bob, "ich plane einen Gefängnisausbruch und kann noch eine Komplizin gebrauchen. Hier ist mein Plan: Zuerst müssen wir aus dieser Bar raus, dann aus dem Hotel, der Stadt und dann aus diesem Land. Sind Sie dabei?" - "Überredet, ich packe meine Sachen" - "Der Mantel genügt"

Schon ganz zu Beginn ein sanfter Hinweis auf die Grenzen dieses Abenteuers. Denn alles wäre möglich, alle Optionen sind offen. Bob weiß das oder spürt es intuitiv. Charlotte sehnt sich offenbar so sehr nach jemandem, mit dem sie ihr Leben gestalten kann, dass er sie leicht verführen könnte; sicher zu einer gemeinsamen Nacht, vielleicht -und das macht ihm Angst- zu der Illusion von einem gemeinsamen Leben. Aber er ist auch erfahren genug zu wissen, dass es keine wirklichen Optionen für beide gibt - außer diese kostbaren Augenblicke der intensiven Zweisamkeit, der romantischen Utopie zu genießen. Zu leicht könnte er sie verletzen, zu leicht sein ganzes Leben aufs Spiel setzen. Bob hat bereits gelernt, Utopien zu misstrauen und mit Kompromissen zu leben - eine Lektion, die Charlotte grade durchmacht, was ihr von ihrem Ehemann den Rüffel einträgt, sie sei hochnäsig. Sie hatte sich nämlich über ein mit ihm bekanntes oberflächliches schauspielerndes Fotomodell lustig gemacht, der sie sich gleichzeitig unter- und überlegen fühlte, wie ihre verräterisch befremdet musternden Blicke offenbarten.

Eine spätere lustig-traurige Spiegelung der Karaoke-Szene mit ebendiesem Fotomodell wird deutlich machen, wie die wirklichen Kräfteverhältnisse sind, wenn es darum geht, im Leben zu stehen. Denn während ebenjene Kelly Gemeinsamkeiten darin erschöpft sieht, zwei Hunde zu haben und in L.A. zu leben, und bei Tisch nur Themen wie Anorexia und Darmspülungen kennt, bemüht sich Charlotte mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Sie interessiert sich für die fremde Umgebung, für Menschen und Kultur, auch wenn sie wie Bob immer wieder über Sprachbarrieren stolpert. Die wirkliche Bedeutung von Sprache wird ihr eines Tages nach einem Tempelbesuch bewusst. Verstört und unter Tränen erzählt sie ihrer Mutter am Telefon: "Ich habe einen Tempel besucht, aber ich habe die Mönche nicht verstanden. Mom, ich war überhaupt nicht berührt! Und John? Es ist, als ob wir nie miteinander sprechen. Ich weiß gar nicht, mit wem ich verheiratet bin" - "Warte einen Moment, Schätzchen! ... So, was hast Du gesagt?" - "Ach, vergiss es, es war nicht so wichtig" - "Ich muss jetzt auch los. Ruf mich später noch mal an. Du kannst jederzeit anrufen, um mit mir zu sprechen"

Dieses Telefon"gespräch" gleicht gespenstisch denen, die Bob mit seiner Frau führt. Überhaupt ist allgegenwärtige Kommunikation ein Dauerthema: nervige Handygespräche, Faxe um 4:20 nachts, all das meistens ohne relevanten Inhalt. Da gleicht eine unter der Zimmertür hindurch geschobene Nachricht "Bist Du noch wach?" als Einladung zum Gespräch fast einem Relikt aus der guten alten Zeit, in der die Menschen vermutlich auch nicht mehr relevante Gespräche geführt haben, dafür aber deutlich weniger irrelevante.

Also folgt die Nacht, in der es üblicherweise in romantischen Filmen "funkt". Nicht so hier. Zum einen sind beide bereits längst auf einer Wellenlänge, zum anderen geht es hier von Anfang an weder um Liebe auf den ersten Blick noch um ewiges Zusammensein. Stattdessen gibt es hier noch viel zu lernen. Für Charlotte. Für Bob. Und für den gebannten - und hoffentlich längst schwebenden - Zuschauer.

Ob es einfacher werde, will Charlotte wissen. Wenn man wisse, was man wolle und wozu man stehe, lasse man nicht mehr alles an sich ran, erwidert Bob. Aha! "Und in der Ehe, wird es da einfacher?" - "Das ist hart", sagt er mit den gleichen Worten wie zuvor beim Karaoke. "Wenn man Kinder hat, wird das Leben komplizierter" - "Und niemand sagt einem das vorher" - "Richtig! Der erschreckendste Tag ist der, an dem Dein erstes Kind geboren wird. Dein ganzes Leben, wie Du es kanntest, ist vorbei, für immer verloren". Sie sieht ihn empathisch an. Klingt so ein Mann, der im Begriff ist, seine Familie zu verlassen? Lesen Sie weiter... ›
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von beatnoir
Format:DVD
Wie man an den Rezensionen sieht, spaltet LOST IN TRANSLATION die Gemüter. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da es dem Film einerseits an sogenannten Höhepunkten fehlt, und er ausserdem immer als "Komödie" beworben wird, was sicherlich zu kurz greift. Wer den Film also danach schlichtweg als langweilig abtut, hat ihn leider ebensowenig verstanden wie jene Leute, die BROKEBACK MOUNTAIN als schwulen Cowboyfilm bezeichnen. Die Handlung mag auf den ersten Blick unspektakulär oder belanglos wirken, wer aber zwischen den Zeilen lesen kann und will, wird mit einem tollen Filmerlebnis belohnt, welches noch lange nach dem Abspann im Kopf herumspukt. Für mich war dies eindeutig der berührendste Film des damaligen Kinojahres.

Auch die stereotype Darstellung der Japaner und ihrer Kultur wird dem Film gelegentlich vorgeworfen, spiegelt aber lediglich den Eindruck wieder, den 2 Amerikaner (die eigentlich lieber anderswo sein möchten) von ihnen bekommen. Die Amerikaner kommen dabei auch nicht immer gut weg, und es ist einfach ein typisches Phänomen, dass man als Kurzzeittourist in erster Linie auf Klischees prallt ohne wirklich tiefer vordringen zu können. Dass Sofia Coppola manchmal etwas übertreibt ist sicher zulässig und gibt dem Film seine komischen Momente.

LOST IN TRANSLATION ist ein aus dem Leben gegriffener Film, der von einer einzigartigen Stimmung lebt und Themen wie Einsamkeit, Entfremdung, Reisen, Kulturschock, Kommunikation, Freundschaft, Zuneigung, Lebenskrisen auf wunderbare, bedächtige und humorvolle Art und Weise behandelt. Vor allem ist es ein Film über zufällige Begegnungen, und wie Begegnungen mit anderen Menschen dein Leben verändern oder ihm neue Impulse geben können. Die Schauspieler könnten nicht besser gewählt sein, Bill Murray ist wie geschaffen für diese Rolle, ebenso wie Scarlett Johansson (die mir nie wieder so gut gefiel wie hier). Die sich langsam entwickelnde Chemie zwischen den beiden (vom vorsichtig abtastenden Smalltalk bis hin zu wortloser Kommunikation) wird perfekt eingefangen.

Auch die Filmmusik ist perfekt gewählt - der Shoegazer-Style einiger Songs in Verbindung mit den glitzernden Neontafeln Tokios transportiert das Gefühl der Verlorenheit. Selbst der Titel ("lost in translation" bedeutet wörtlich soviel wie "in der Übersetzung verlorengeganen") ist genial, da er gleichzeitig auf mehrere der behandelten Themen anspielt. Also meiner Meinung nach hat Sofia Coppola hier wirklich grosses geleistet, und die Golden Globes sowie der Drehbuch-Oskar gehen absolut in Ordnung.

Zur Ausstattung der DVD: für eine solche Independent-Produktion absolut in Ordnung, es finden sich Musikvideos, Interviews, ein 30-minütiges Making-of sowie der gesamte Talkshowauftritt von Bill Murray bei "Japans Johnny Carson", welcher im Film nicht vollständig gezeigt wird.
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